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28.3.01
Ich war jung und brauchte Geld - Der Student, der Superheld
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Studenten sind arme Schweine. Und wer sich an diesen merkwürdigen Werbespot erinnert, in dem eines dieser armen Schweine mitsamt Hühnerkostüm in den Hörsaal kam (Studentenjobs sind halt unmenschlich deprimierend), der weiß, wovon ich spreche.

Im Moment läuft in der größten Stadt Niedersachsens (Hannover!) die CeBit, und auch dort laufen etliche an armen Schweinen herum. "SPIEGEL ONLINE" hat unter anderem ein Monster, ein Handy, zwei Superhelden und eine Mama inklusive Baby interviewt. In diesem Sinne: Helau und gutes Weiterstudieren!

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Der junge Mann im Badezimmer
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Jeden Mittwoch neu.)

Wer oft umzieht, der hat viel zu erzählen. Mit jeder Wohnung, die man begutachtet, kommen immer wieder kleine Geschichtelchen dazu. Vor kurzem war ich damit beschäftigt, mit meiner Freundin eine neue Wohnung zu suchen, und so sind wir einen ganzen Sonnabend lang immer wieder von einem Stadtende zum anderen gefahren. Mit dem Bus! Das war Stress. Das war ermüdend. Das war nervig. Und weil das erst mein zweiter Umzug ist, habe ich auch nicht viele Wohnungssuchgeschichten in petto.

Meine aktuelle Wohnungssuchgeschichte handelt von einer Wohnung, in der ein Teil des Flurs und das dortige Badezimmer zur benachbarten Wohnung gehörten.
„Ach ja“, sagte die angegraute Vermieterin, „da wohnt ein junger Mann. Der ist auch sehr nett.“ Meine Freundin hätte sich gerne auch noch den sehr netten, sehr jungen Mann angesehen, aber ich hatte diese Wohnung lange genug angeschaut.

Die Wohnungssuchgeschichte meines ersten Umzugs war im Vergleich dazu etwas dramatischer: Ich stand mit meinem potentiellen Vermieter vor meiner potentiellen, neuen Wohnung, und ich konnte beobachten, wie dieser die Tür nicht aufgeschlossen bekam.

„Warten se mal“, sagte er, „treten se mal einen Schritt zurück.“ Also trat ich einen Schritt zurück, und ich ahnte Schlimmes. „Sie müssen mir jetzt mal glauben, dass mir die Wohnung gehört“, sagte der Vermieter, nahm Anlauf und trat schimanski-like die Tür ein. Etwa den gleichen Qualitätsstandard konnte die gesamte Wohnung aufweisen, die nicht einmal meine zukünftige Wohnung geworden wäre, wenn sie die einzige, freie Behausung in der ganzen, großen Stadt gewesen wäre. „Sie müssen nur noch ein kleines Bisschen renovieren“, sagte der Herr, der garantiert keine Wohnung an mich vermieten würde.

Nein, danke! Mitunter hätte vielleicht sogar eine kaputte Wohnungstür auf der Reparier- und Renovierorgienliste gestanden.

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22.3.01
Ich weiß nichts, also bin ich
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Jeden Mittwoch neu.)

Ich habe kein gutes Namensgedächtnis. Ich habe kein gutes Zahlengedächtnis. Und, wenn ich weiter darüber nachdenke, habe ich alles in allem gesehen überhaupt kein gutes Gedächtnis.

Ständig habe ich Angst, irgendeinen Geburtstag zu vergessen. Wann hat eigentlich mein Vater Geburtstag? Wann meine Mutter? Den Geburtstag meiner Freundin kann ich mir gerade so merken. Ich glaube, dass es nichts Peinlicheres gibt als einen Geburtstag zu vergessen, doch bei längerem Überlegen fallen mir Dutzende von Dingen ein, die noch peinlicher sein könnten.

Die Nachteile eines schlechten Gedächtnisses sind leicht aufzuzählen, aber es muss doch bestimmt auch von Vorteil sein, wenn sich das dämliche Hirn überhaupt nichts merken will. Man vergisst Fehler von sich und anderen und geht so unbeschwerter durch den Alltag. Man vergisst Smalltalkgespräche und freut sich bei jeder Blabla-Unterhaltung, etwas Neues gelernt zu haben. Ist aber in Wirklichkeit gar nicht neu, ist nur im verstaubten Kleinhirn verloren gegangen.

Und überhaupt: Ein sehr, sehr hoher Prozentsatz der Smalltalkinhalte sind Wiederholungen – wie hoch dieser Prozentsatz ist, kann ich nicht genau sagen, Sie wissen ja, mein Zahlengedächtnis. Und bei diesem unglaublich hohen Prozentsatz würde es doch wahrlich stören, alles schon zu kennen und besser zu wissen. Denn was wäre man dann? Richtig! Ein Besserwisser.

Den Dummen gehört das Himmelreich, und bei längerem Sinnieren über die Verdummung und die Folgen, bestätigt sich dieser Ausspruch. Wer nicht viel weiß, lernt jeden Tag etwas Neues kennen, und da kann man doch überhaupt nicht anders als lauthals bejahen. Wenn der Vergessliche jedoch einmal vergessen sollte, sich sein Nichtwissen schönzureden, wird er merken, wie schrecklich es in Wirklichkeit ist, alles mögliche in den hintersten Ecken seines Verstands zu verstauen.

Bald werde ich einen wichtigen Geburtstag vergessen, bald eine Verabredung, bald vielleicht sogar mich selbst. Wie dem auch sei: Selig sind die Verdummten. Und wer bitteschön ist eigentlich dieser Klugscheißer, der diesen Gedankendreck hier fabriziert hat? Verdrängt, vergraben, vergessen.

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17.3.01
Oh Gott, oh Gott, oh Gottohgottohgott
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Ein sehr empfehlenswerter Link für Christen, die sich ausführlicher mit Gott und der Welt beschäftigen wollen: Jesusdressup.com ist eine wahrhaft göttliche Anziehpuppe, an der Katholiken wie auch Evangelen ihren Spaß haben können.

Jesus als Cowboy! Jesus als Hundefänger! Oder aber Jesus, die Primabalerina! Christen, aller Welt, fühlt Euch provoziert. Denn Gott, der Herr, sieht es nicht gerne, dass sein Sohn (er sitzt zu seiner Rechten) so in den Dreck gezogen wird. Oder hat Gott - sofern es ihn denn gibt - Humor? Fortsetzung folgt nach abgeschlossenem Leben ... oder auch nicht.

Und außerdem eine Variation der aktuellen Fragestellung "Wie sah Jesus wirklich aus"?

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14.3.01
Über Quetschungen dritten Grades
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Jeden Mittwoch neu.)

Ich habe Angst vor automatisch schließenden Türen, und dabei ist es mir vollkommen egal, ob das nun Fahrstuhl-, Straßenbahn- oder Bustüren sind.

Woher ich diese Angst habe? Aus frühester Kindheit vielleicht, in der ich mir den kleinen Finger in einer Tür eingequetscht haben könnte? Mitnichten, denn diese Türparanoia habe ich erst seit einigen Wochen, und ich weiß auch schon, wen ich deswegen verklagen werde.

Busfahrer sind in unserer Gesellschaft mehr oder weniger angesehen, und ich sehe Busfahrer seit einigen Wochen mehr oder weniger gar nicht gerne an.
Mit anderen Worten: Ich habe angefangen, Busfahrer zu hassen. Sie sind mir (neben Taxi- und Straßenbahnfahrern) die wohl unsymphatischsten Zeitgenossen.
Diese lieblichen Menschen sehen, dass man angeflitzt kommt und dass man sogar gewagt über eine rote Ampel rennt – nur um den Bus zu erreichen und nicht zu spät zu einer wichtigen Verabredung zu kommen.

Ein freundlicher Busfahrer, denkt man. Und: Schön, dass er auf einen potentiellen Kunden wartet. Man hat es dann schließlich bis zum öffentlich Verkehrsmittel geschafft, steht kurz davor, drückt wie wild auf den Knopf, der die Tür öffnen soll, doch diese will und will nicht aufgehen.

Und wer sitzt am Steuer des Busses, grinst hämisch und lässt dir Tür nicht aufspringen? Der Busfahrer! Ein freundlicher Zeitgenosse im Großstadtdschungel. Der Bus fährt weiter, und der potentielle Kunde bleibt womöglich auch noch im Regen stehen. Und diese Situation, sprich: ein verregneter Tag und damit ein nasser und verärgerter Mensch, wäre für viele Busfahrer das I-Tüpfelchen auf der nach oben offenen Schadenfreudenskala.

Was das jetzt mit meiner Türparanoia zu tun hat? Nun: Stellen Sie sich eben diesen Busfahrer in einer noch aggressiveren Laune vor. Zuerst freut man sich: Die Tür geht merkwürdigerweise auf, und man steht mit halbem Fuß im Bus. Doch dann kommt der Nachschlag in Form einer sich schließenden Tür.

Der professionelle Busfahrer benötigt das richtige Timing, um gut gelaunt durch den Tag zu kommen. Er benötigt diese Eigenschaft, um Menschen in Türen einzuquetschen.
In diesem Sinne: Gut Quetsch und eine verhältnismäßig schmerzfreie Weiterfahrt!

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