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27.7.01
Die große Stucki-Schau
("Ey Aktuell!" - Die aktuelle Nachricht. Immer wieder neu.)

Kaum macht ein engagiertes, glaubhaftes und seriöses Politmagazin einen klitzekleinen Fehler, zieht das einen Prozess hinterher, welcher hätte verhindert werden können. Und nur, weil die Redaktion den Fehler aus Versehen wiederholte, sehen sich die Redakteure mit einem unterhaltsamen und wenig eitlen Schriftsteller vor Gericht wieder.

Fehler Nummer Eins: Die Redaktion druckte ein Foto des Kindermörders Stefan Jahn mit der Bildunterschrift "Benjamin Stuckrad-Barre liest (ab 11. Mai täglich in der Mehrzweckhalle der JVA Cottbus, Westflügel"). Ein Versehen?

Fehler Nummer Zwei: Einen Monat später veröffentlichte das Magazin ein Foto des Massenmörders Timothy McVeigh. Bildunterschrift: "Lesung abgesagt".

Und auch ich habe zwei Fehler in diesem Text untergebracht: Die Beschreibungen des Magazins "Titanic" und des Jungautors Benjamin von und zu Stuckrad-Barre stimmen nicht mit der Wirklichkeit überein.

Und jetzt ist die neueste Titanic-Ausgabe erschienen, und wer lächelt mir auf dem Titelbild entgegen? Superstucki! Nur leider wurde das Bild mit "Lars Ricken" betitelt und ist nur eines unter 15 Fotografien mit dem Thema "Die 100 schwulsten Deutschen".

Außerdem im Heft: Ein Foto vom Dalai Lama, darunter die alte, in der ersten Fake-Anzeige verwendete Bildunterschrift, dass Superstucki in der JVA Cottbus Lesungen abhalten werde. Darüber geklatscht jedoch der sensationelle Eintrittspreis: 1,50 DM! Verstehe das, wer will. Doch lustig ist es schon. Was der Anwalt von Von und Zu dazu wohl sagen wird?

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25.7.01
Die volkstürmliche Hitparade - Und alles nimmt Reißaus
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Nur echt mit zweiundfünfzig Zähnen. Jeden Mittwoch neu.)

Ich bin eine krächzige Krähe, und wenn ich zu singen anfange, verdunkelt sich der Himmel. Und als Zufall ist es wahrscheinlich auch nicht abzutun, wenn es eben dann zu regnen anfängt.

Meine Freundin mag es nicht, wenn ich zu den diversesten Liedern mitsinge. „Du kannst nicht singen“, beurteilt sie meine Sangeskünste, „also lass es.“ Ich will aber trotzdem. Ich mag das. Ich liebe es, mitzugröhlen und zu zeigen, dass ich mehr oder weniger textsicher bin. Mag ich noch so schlecht sein! Und mag sich der Himmel aus Abneigung gegen meine Tontreffsicherheit noch so verdunkeln! Und wenn es wochenlang regnet – ich werde weiter singen!

Ich habe zwar verstehen können, weshalb der Barde Troubadix aus den "Asterix und Obelix"-Comicheften unglaublich oft gefesselt und geknebelt am Baum festgezurrt war, aber ganz so schlecht singe ich ja wohl auch wieder nicht. Befreien Sie mich also gefälligst wieder aus meiner misslichen Lage, und nehmen Sie mir bitte den Knebel aus dem Mund! Ich will nämlich endlich wieder singen, singen und nochmals singen. Und das in einer meinem Können angemessenen Lautstärke.

Laut muss es sein. Das jedenfalls meine ich. Nachbarn, Freundin und Stadtviertelbewohner sind da komischerweise anderer Meinung. Sie wollen endlich wieder einen regenfreien Tag haben, und wem haben sie die Schuld in die Schuhe geschoben? Mir natürlich. Denn schließlich würde ich ja auch den Regen herbeisingen.

In Ländern mit Dürreperioden könnte ich höchst wahrscheinlich Geld mit meinem Können machen. Mund auf, Gesang raus, Regen an, Geld abkassieren. So einfach wäre das. Aber leider lebe ich in keiner Gegend mit akutem Wassermangel, und wahrscheinlich soll meinem Maul unter anderem auch deswegen keine einzige Note mehr entweichen.

Wenn ich doch anerkannter Superheld wäre! „Krächzige Krähe fliegt wieder!“, würde dann groß in der Zeitung stehen. Oder: „Durststrecke beseitigt dank Krächziger Krähe“. Oder: „Wasserfluten begraben bösartigen Mafiakönig – Krächzige Krähe rettet Welt!“

Doch leider, leider, leider habe ich eben nur diese eine Superkraft dank Sangeskraft. Und meine Mitmenschen sehen mein melodiöses Gewimmer eher als Makel denn als Können an. Muss ich mir halt noch eine weitere grandiose Fähigkeit zulegen. Ich habe dabei an das Zerstören von Glas gedacht - ebenfalls durch mein mächtiges Stimmvolumen.

Und so sitze ich nun schon seit Stunden vor einem Wasserglas und singe, singe, singe, aber es ist mir noch immer nicht gelungen, das Glas zu zersprengen. Stattdessen habe ich mehrere Beschwerden meiner Nachbarn auf mich nehmen müssen, die ich wohlwollend ignoriert habe.

Vielleicht würden Gesangsstunden helfen, meine Superkräfte auf Vordermann zu bringen, aber ich glaube, dass ich das doch lieber sein lassen sollte. Ich möchte mir den entgeisterten Gesichtsausdruck der Gesangslehrer ersparen.

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18.7.01
Schlafes Luder
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Und Mittwoch ist nicht aller Tage Abend.)

Es gibt die diversesten Tierarten. Angefangen beim Floh bis hin zur Giraffe – alles dabei. Und auch Menschen kann der Zoologe in diverse Schubladen packen, die Schublade schließen und erst wieder herausholen, wenn er frische Socken benötigt, die er ebenfalls in eben diese Schublade geschmissen haben mag.

Ich selbst gehöre der Gattung der Langschläfer an, und manchmal beneide ich meine Mitmenschen, die eher in der Schublade der Kurzschlafenden leben. Anscheinend ist es nun einmal so, dass diese Menschengattungsart bevorteilt ist, weil sie dem angepassteren Zeitschema folgt.

Am Schlimmsten für mich, dem Faultier in Menschengestalt, sind die Weckanrufe zu unmenschlichsten Zeiten. Wer es wagt, meine Telefonnummer vor vierzehn Uhr in der Früh zu wählen, muss mit einem wenig aufmerksamen Zuhörer rechnen.

Weniger schön ist es, wenn jemand Wichtiges von meinem Arbeitgeber anruft, weil sie noch ganz, ganz dringend jemanden bräuchten, der ihnen unter die Arme greift. Und besonders schlimm ist es, wenn sie mich aus dem Schlaf gerissen haben und ich halb träumend den Hörer vom Telefon grabsche.

„Was?“, lalle ich dann. Und: „Ja, klar, kann ich machen.“ Und: „In einer halben Stunde? Ja, ja, mache ich.“ Und dann ertappt sie mich: „Habe ich Sie etwa aus dem Schlaf gerissen?“, fragt mich die Sekretärin.

„Was? Hä? Ähh ...“ - Ich versuche mit diversen Ausrufen und Grunzlauten Zeit zu schinden und sehe während meines Ablenkungsmanövers nach, wie spät es ist. Es ist zwölf Uhr! Wie rede ich mich jetzt heraus? In dieser, unserer Arbeitsgesellschaft ist es doch schließlich verpönt, bis in die Puppen zu schlafen. „Ja, ich habe geschlafen“, gebe ich zu, „Mittagsschlaf!“

Eine wirklich kreative Notlüge, wenn man bedenkt, dass meine Hirnwindungen noch kaum mit Blut und Sauerstoff durchströmt sind und ich eigentlich noch vor mich hinschlummere. Statt Schlafwandler bin ich ein notorischer Schlaftelefonierer. Vielleicht sollte ich meinen Wecker doch einmal auf eine angepasstere Weckzeit stellen - sagen wir elf Uhr? Eine schlechte Idee! Viel zu früh. Eine viel zu unmenschliche Zeit für einen Langschläfer.

„Dann legen Sie sich mal besser erst Mal wieder hin“, sagt die Sekretärin, „ich habe noch ein paar andere Mitarbeiter auf meiner Liste, die ausgeschlafener sind als Sie. Einen gesunden Weiterschlaf wünsche ich Ihnen.“

„Selber!“, denke ich mir und lege mich zurück in mein Bett, das glücklicherweise noch eine gemütliche Restwärme ausstrahlt.

Und dann klingelt das Telefon wieder. Und dann reiße ich meine Augen sperrangelweit auf. Und dann ist mein Bruder am Apparat, der mich besuchen will.

„Ich komme in zwanzig Minuten vorbei, ist das okay?“, fragt er mich.

„Eine Stunde“, gähne ich in den Telefonhörer, „ich brauche eine Stunde. Du hast mich geweckt.“

„Ich gebe dir eine halbe Stunde“, handelt er mit mir.

„Eine dreiviertel Stunde. Mein letztes Angebot!“

Und dabei bleibt es. Ein letzter Blick auf mein Bett, in welchem meine Freundin noch immer den Schlaf der Gerechten vor sich hin träumt, und schon geht es unter die Dusche. Ich hätte noch so lange schlafen können. Mindestens drei Stunden! Ich bin totmüde.

Wenigstens bekomme ich so etwas Übung im Handeln. Eine dreiviertel Stunde! Jetzt muss ich mich aber wirklich abhetzen. Hoffentlich fällt das Rabattgesetz bald, denn dann kann ich Profit daraus ziehen, dass ich mit meinem Bruder geübt habe, wie man seine Wach- und Fertigmachzeit aushandeln kann.

Vielleicht kann ich auf die gleiche Art auch die Preise von Lebensmitteln drücken. Wieviel ich sparen könnte! Ich freue mich schon darauf, wenn das Rabattgesetz fällt. Dann bin ich nämlich ein gemachter Mann. Jawohl! Selig seien die Langschläfer, denn ihnen gehöre das Kommerzparadies. Hoffentlich.

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10.7.01
Riech mal, wer da stinkt
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Immer wieder mittwochs kommt die Erinnerung.)

Manchmal muss ich mich wundern, und wenn mich meine Freundin nicht mehr küssen will, wundere ich mich ganz besonders stark. Was ich denn nun schon wieder falsch gemacht haben könnte, frage ich mich dann.

„Was habe ich denn nun schon wieder falsch gemacht?“, frage ich sie, und bei der darauffolgenden Antwort bleibt mir nichts anderes übrig, als mich zu wundern. „Du riechst aus dem Mund!“, sagt mir meine Freundin, und das kann und will ich einfach nicht glauben. Ich halte meine Hand vor den Mund und atme aus. Tatsächlich! Ich rieche nicht nur aus dem Mund, sondern stinke abscheulich bestialisch. Wie bitteschön konnte denn das passieren?

Eine ganz Flasche Odol muss genügend, einmal kräftig mit der Zahnbürste nachgebürstet, und schon springt meinen Mitmenschen wieder ein bergluftklares Lüftchen entgegen, wenn ich mit ihnen rede.

„Besser so?“, frage ich meine Freundin, aber anscheinend hat sich nichts geändert. Sie verdreht ihre Augen, hält sich mit zwei Fingern ihre Nase zu und dreht den Kopf weg. „Ja“, lügt sie, „schon viel, viel besser.“

Doch meine Ausdünstungsprobleme sind nichts gegen einen Kommilitonen von mir, über den ich mich seit Semesterbeginn aufgeregt habe. Einerseits ist es nun einmal so, dass man als Student Prioritäten setzen sollte: Was ist mir wichtiger? Kleidung, Essen, Hobbies? Und immer auf das knappe Budget achten! Anscheinend aber hat dieser Mensch fehlgeplant und schlecht gehaushaltet: Essen? Wahrscheinlich. Hobbies? Muss er sich anscheinend mehr als genug zugelegt haben, und noch dazu müssen das sicherlich sehr, sehr kostspielige Hobbies sein. Vielleicht golft er ja? Sammelt Goldbarren? Handelt in seiner Freizeit mit Aktien?

Denn dieser Mensch scheint kein Geld für Kleidung übrig zu haben. Immer, wenn ich ihn gesehen habe, hatte er das selbe T-Shirt und exakt die selbe Jeans an. Jedesmal! Aber vielleicht hat er ja auch zehn dieser T-Shirts und zehn dieser Hosen bei sich zuhause im Schrank hängen, und vielleicht wäscht er einen Teil seiner Klamotten, wenn er wieder saubere Wäsche benötigt. Klingt unrealistisch? Ist es wahrscheinlich auch, denn der Gestank, der sich um ihn herum breit macht, spricht Bände.

Einmal fing ich ein Smalltalk-Gespräch mit ihm an, und auch dort musste ich mich sehr wundern. „Wie geht´s?“, fragte ich ihn, und weiter ging die Unterhaltung daraufhin auch nicht. „Gut“, antwortete er, verdrehte die Augen, hielt sich mit zwei Fingern seine Nase zu und drehte seinen Kopf weg, „aber würde es dir etwas ausmachen, wenn ich mich mit dir aus sicherer Entfernung unterhalte?“

Eigentlich bin ich ein Mensch, der auf sein Äußeres achtet. Jawohl! Ich dusche mich jeden Tag, ich putze mir ein- bis zwei Mal am Tag die Zähne, und manchmal benutze ich auch Deodorant, um nicht aus allen Poren wie ein Schweizer Käse zu riechen. So bin ich halt – ein rundum sauberes Kerlchen.

Doch manchmal vergesse ich die körperlichen Pflegemaßnahmen, manchmal für ein paar Tage, manchmal für eine Woche, manchmal können es auch mehrere Monate sein. Ich bin halt etwas vergesslich. Und wenn ich mich dann so betrachte, weiß ich, dass es einige Menschen gibt, denen man nicht einmal mehr die Pest an den Hals wünschen kann. Und das juckt, kann ich Ihnen sagen. Das juckt!

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9.7.01
Allzeit bereit durch Raum und Zeit
("Ey Aktuell!" - Die aktuelle Nachricht. Immer wieder neu.)

Telefonzellen, mit denen der Globetrotter durch Raum und Zeit reisen kann. Bösartige Kampfroboter. Raum-Zeit-Paradoxien gemixt mit glibberigen Außerirdischen, die die gesamte Menschheit in grünen, genauso glibberigen Wackelpudding verwandeln wollen. Trashige Handlung, aber dafür britsch - das ist "Dr. Who".

Und ab kommenden Freitag gibt es neue Episoden. "BBC Online" hat hoffentlich keine Kosten und Mühen gescheut und wird uns am nächsten Freitag präsentieren, was der wirre Weltenverbesserer noch alles kann oder ob er vielleicht längst schon eingerostet ist und in die Mottenkiste gehört.

Wir werden es sehen. Nächsten Freitag. Im Internet.

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5.7.01
Blasphemie wie noch nie oder Messiashass
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Wie verdammt noch mal soll ich den nächsten Montag überleben? Den bösen, bösen Montag, an dem ich durch meine Zwischenprüfung rasseln werde? Eine Möglichkeit bleibt mir, und diese Möglichkeit besteht aus Beten.

Aber erstens wird Er wahrscheinlich eh nicht auf mich hören, und zweitens werde ich das Abfragespielchen trotz alledem meistern. Hoffentlich!

Und angeblich soll Beten ja eh nichts bringen. In diesem Sinne gibt es bei "Jesus Test" die Lösung für dieses Problem: Wenn Jesus wieder einmal keinen Wunsch erfüllt hat, kann man Ihn bestrafen - mit Feuer, Steinigung, Blitz oder Säure. Blasphemisch! Hoffentlich komme ich deswegen nicht in die Hölle. Ein Vorhof der Hölle ist der nächste Montag, aber ich fange an, mich zu wiederholen.

Danke an HoGi, der mir diesen Link geschickt hat.

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4.7.01
Fischers Fritz fischt tote Fische
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Alles hat ein Ende, und auch Fische müssen irgendwann das Zeitliche segnen. Selbst Fische, die die anderen Schuppigen in den Schatten stellen, müssen sterben. Und selbst Superstars sind nicht unsterblich, und auch tagtäglich von Kameras gefilmten Fischchen soll es nicht anders gehen als den 08/15-Fischen.

Vielleicht ist es ja auch ganz gut, dass Freddy mit dem Rücken nach oben in seinem Aquarium schwimmt - jetzt lebt er wenigstens nicht mehr in seiner Überwachungsstaatswasserwelt.

Und jetzt gibt es die "Dead Fish Cam", die vorher angeblich eine "Fish Cam" gewesen sein soll. Der Fisch ist tot, lang lebe der tote Fisch.

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2.7.01
Baldrian gegen Leviathan
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Ungefähr jeden Mittwoch neu.)

Angst! Große, unbarmherzige Angst. Aber eigentlich ist sie ja unbegründet, diese scheußliche, in Mark und Bein übergehende Angst. Die Schlafprobleme. Das zerfledderte Nervenkostüm. Oder sollte ich mitunter doch allen Grund haben, mich in meinem Zimmer einzuschließen und Tür und Fenster mit Holzlatten zuzuhämmern?

Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, fürchte ich mich vor etwas, und vielleicht fragen Sie sich ja auch, wovor ich mich denn nun so unvorstellbar ängstige. Wie bitte? Mein Gefühlsleben ist Ihnen egal? Ich werde Ihnen trotzdem die Ohren vollheulen, da kenne ich kein Pardon.

In einer Woche ist es soweit. Dann ist Weltuntergang, denn dann sind Hopfen und Malz verloren. Ich hasse es, geprüft und abgefragt zu werden und dabei falsche oder halbwahre Antworten geben zu müssen. Aber was sein muss, muss halt sein.

Vor zwei Dozenten werde ich sitzen und statt des Eine-Millionen-Mark-Hauptgewinns á la „Wer wird Millionär?“ bekomme ich lediglich die Erlaubnis, auf einem höheren Niveau weiterstudieren zu dürfen.

Aber lohnt sich der Aufwand überhaupt? Der Lernstress? Die Prüfungsangst? Lohnt es sich, etliche Stunden zu büffeln und qualvoll zu leiden? Und das alles nur, um danach noch viele, viele weitere Semester herumzugammeln, bis in die Puppen zu schlafen und in den Tag hineinzuleben, sprich: ein wundersam schönes Studentenleben zu führen? Eigentlich erübrigt sich ein weiteres Nachdenken über diese Frage.

Und dann sitze ich auf meinem nassgeschwitzten Prüfungsstuhl, Auge in Auge mit den zwei Quizmastern, die mir in der Kategorie „Politik“ auf den Pelz rücken werden - Unterkategorien sind Hobbes' Leviathan und das Regierungssystem der USA. Die Scheinwerfer sind auf mich gerichtet, die Musikjingles gelten nur mir. Das Licht ist auf das Minimum heruntergedimmt.

Und dann die erste Frage! Kann ich nicht, weiß ich nicht, habe ich nicht gelernt. „Keine Ahnung“, sage ich selbstbewusst, „haben Sie keine bessere Frage für mich?“ Und auch auf die nächste Frage werde ich keine Antwort wissen, und genauso dumm komme ich mir bei den darauffolgenden Attacken vor. Weder Blumentopf, noch brauchbare Bewertung werde ich mit meiner Leistung gewinnen.

Das Licht im Prüfungsraum wird noch dunkler, die Musik noch bedrohlicher. Der Bass wummert mir durch die Hirnwindungen. Ende gut, gar nichts gut, denke ich mir, aber selbst das Ende lässt sich mit seinem Erscheinen alle Zeit der Welt. Die Scheinwerferspots blenden mich, und ich will einfach nur weg. Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht, mich abtesten zu lassen?

So und nicht anders wird die Prüfung in genau einer Woche ablaufen. Ich habe Angst, und ich werde versagen. Und nicht einmal Publikums-, Telefon- und „50:50“-Joker kann ich mein Eigen nennen. Ich weiß, dass ich jetzt schon verloren habe. Voll und ganz.

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