Das kostenlose Abonnement
(mit Bonusmaterial!)
anmelden abmelden
28.10.01
Cha Cha Cha bis zum K.O.
("Ey Glotze!" - Die aktuelle Fernsehkritik. Unerwartet neu.)

Das Propagandaorgan für Wahnsinn hat wieder zugeschlagen. „Nein“, denkt sich der unbescholtene Fernsehbürger, „so etwas kann es doch überhaupt nicht geben. Völlig ausgeschlossen.“

Ein Schauer läuft der Couchkartoffel den Rücken herunter. Sie möchte weiterzappen, aber irgend etwas hält sie zurück. Völlig geschockt starrt sie auf den Bildschirm. So etwas dürfte es doch überhaupt nicht geben, sagt sich die Couchkartoffel immer wieder, so etwas gehört verboten, verscharrt, verbrannt.

Hoch sollen sie leben, die Programmdirektoren des MDR, denn dieser Sender scheint sich darauf spezialisiert zu haben, alle Irrungen und Wirrungen der deutschen Fernsehlandschaft überbieten zu wollen. Aber was wären wir ohne die verrückten Kuriositäten des Klapsmühlenprogramms?

Ich konnte gar nicht glauben, womit mir der Fernsehsender am Samstag eine Freude machen wollte. Vom späten Abend bis zur erlösenden Morgendämmerung hieß es „Let´s dance – Die Marathon-Tanznacht“.

Hui! Da ging ganz schön die Post ab. Da tanzte die verrunzelte Sekretärin mit dem stinkig-verschwitzten Chef Cha-Cha-Cha bis zum K.O. Da tanzte die Blödblondine mit dem Schlaksigschönling. Da tanzte die mehr als abgelebte Hausfrau mit ihrem ranzigen Ehemann. Und hui! Da steppte sogar der Bär.

Achteinhalb Stunden Volksverdummung vom volkseigenen Bratzensender! Die sechzehn Tanzpaare mussten sich nämlich nicht einfach nur über die Tanzfläche schubsen und mit ihren Ärschen kameragerecht hin- und herwackeln. Nein, natürlich nicht. Wir leben schließlich in einer Leistungsgesellschaft, in der es viele „Mitarbeiter des Monats“, aber auch viel zu viele Versager gibt, die ganz einfach weg müssen. Wo gehobelt wird, da fallen eben auch Späne.

Jede halbe Stunde musste ein unverdrossenes Schunkelduo dran glauben – Abstimmen á la „Big Brother“ war angesagt. Und das Fernsehpublikum war skrupellos. Wählte per Telefon-TED eine dicke, alte Frau mit übergroßem, gar nicht mehr schön anzusehenden Dekolleté aus dem Tanztempel heraus. Und auch ihr Partner musste den Saal notgedrungen verlassen - mitgehangen, mitgefangen. So ist das nun einmal. Dabei hatten sich die Kamaramänner doch alle Mühe gegeben, um die Zitzen der Schabracke ordentlich zur Geltung zu bringen.

Und in den nächsten Hopp-oder-Flopp-Abstimmungen flogen weitere Bauerntölpel dahin zurück, wohin sie gehörten. Auf die Straße, zurück zum Betteln. Oder zurück in den Schweinestall, in welchem sie die Rumbatanzschritte noch einmal bis zur Perfektion hin üben konnten - mit Mastschwein Heinrich als Tanzpartner.

Es war wie in den römischen Arenen. Hob Cäsar seinen Daumen nach oben, durfte der Gladiator am Leben bleiben. Zeigte der Daumen nach unten, hieß das Kopf ab. Ende. Aus. Vorbei.

Und als wenn all das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, weiß der Sadistensender noch mehr als einen draufzusetzen. Das gesamte Horrorkabinett des deutschen Hirntods war anwesend. Modern Talking! Scooter! Marianne Rosenberg! DJ Ötzi!

Der Mitteldeutsche Rundfunk kann nur froh darüber sein, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, das Publikum per Telefon-TED darüber abstimmen zu lassen, wie die Zukunft des Fernsehsenders mit Trashappeal aussehen sollte. Hopp oder Flopp? Daumen nach oben oder Daumen nach unten? Im Zweifelsfalle Rübe ab. Und das bitte nicht zu knapp.

Erst dann nämlich wird der Bär wieder steppen. Und Heinrich, das Mastschwein, wird seine Rumbakünste zum Besten geben. Eins, zwei, Wiege, Schritt. Und das Lächeln nicht vergessen – denn Big Brother is watching you.

|Verlinken?|


22.10.01
Mut zur Krücke
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Aufgewachsen in artgerechter Haltung.)

Neulich habe ich sie in der Stadt gesehen, und ich war froh darüber, dass ich so etwas noch auf meine alten Tage hin erleben durfte. Die Sprint-Oma habe ich sofort in mein Herz geschlossen, denn sie widerspricht allen Vorurteilen über Senioren.

Rentner sind langsam, sowohl geistig als auch körperlich gesehen. Rentner schleichen nur so über den Fußweg, immer einen Schritt vor den anderen, ganz gemächlich – man hat schließlich Zeit. Probier´s mal mit Ruhe und Gemütlichkeit, Rentner! Die innere Uhr tickt nun einmal langsamer, wenn man alt ist.

Nicht so bei der Sprint-Oma, meiner Begegnung mit dem lebenden Vorurteilsabbau. Mit ihrem Lederhandtäschchen, das sie eng umklammerte, raste sie nur so an mir vorbei, nicht Schritt für Schritt, nicht ruhig und gemütlich, sondern so, als wenn sie an einem sportlichen Wettbewerb im Schnellgehen teilnehmen würde.

Und wahrscheinlich hatte ich auch nur nicht mitbekommen, dass solch ein Rennen gerade zu diesem Zeitpunkt in der Stadt ausgetragen wurde. „Stadtbummel 80plus“ – wer wird das Rennen machen?

Ganz bestimmt meine Sprint-Oma, denn weit und breit konnte ich keine Konkurrenz ausmachen. Ich sah mich in alle Richtungen um, aber sie schien ihre Schnellgehgegner weit abgeschlagen zu haben. Und sie lief unentwegt weiter, ihr Lederhandtäschchen eng umklammert, aus Angst vor den jungen Leuten. Alles Diebe, Halsabschneider und Verbrecher, man kennt das ja.

Ich sah ihr noch lange hinterher und fragte mich, ob ich genauso fit sein würde, wenn ich solch ein biblisches Alter erreicht hätte. Doch wahrscheinlich würde ich eher eine griesgrämige, zahnlose Kartoffel sein, die den jungen Leuten - diesen Dieben, Halsabschneidern und Verbrechern - Beine stellen würde, und wahrscheinlich hätte ich dann sogar Spaß daran, sie mit meinem Krückstock zu schikanieren, ganz aus Versehen, versteht sich.

Ja, dachte ich mir, ich würde ganz so sein, wie die Vorurteilssammlung über alte Menschen von mir verlangte. Und die Sprint-Oma rannte weiter und weiter, das Lederhandtäschchen fest an ihren Körper gepresst, dem glühenden Sonnenuntergang entgegen.

|Verlinken?|


20.10.01
Mach´s Maul auf! Stippvisite.
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, sagt man. Und vielleicht sollte man trotz alledem einen Blick auf "Inkplosion" wagen, einem neuen Onlinemagazin mit fünf merkwürdig-skurril-makaberen Comicgeschichten von professioneller Qualität.

Alle zwei Monate soll diese Internetbereicherung von nun an erscheinen. Alles toll. Alles frisch. Und bisher auch noch alles kostenlos.

Ich würde aber, wenn ich ehrlich bin, auch dafür bezahlen - so gut hat mir die erste Ausgabe gefallen. Für den Pressebrief der ZEIT drücke ich auch schon etwas von meinem Ersparten ab. Die Tage des kostenlosen Internets sind gezählt - leider eigentlich. Doch für guten Inhalt zahlt man gerne mal. Und dem kann man dann auch ins Maul schauen. Und das dann ganz, ganz tief und erbarmungslos.

|Verlinken?|


16.10.01
Die Geschichte vom Zappelschillip
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Also sprach in ernstem Ton / Der Papa zu seinem Sohn, / Und die Mutter blickte stumm / Auf dem ganzen Tisch herum. / Doch der Schillipp hörte nicht, / Was zu ihm der Vater spricht. / Er gaukelt / Und schaukelt, / Er trappelt / Und zappelt / Auf dem Stuhle hin und her. / "Schillip, das missfällt mir sehr!"

Vielleicht wären meine Freundin und ich irgendwann nach Hamburg gezogen, in die große, charmante Stadt. Weltoffen sollte sie sein. Sagte man so. Und was sagt man jetzt?

Wenn ein gnadenloser Mensch plötzlich an der Macht ist und mit Kegelclubbrüdern im Anhang eher weniger als mehr schillert? Wenn es so aussieht, als wenn jemand einen eher größeren als kleineren Hang zur Ausländerfeindlichkeit besitzt und diesen offen propagandiert? Wenn die angebliche Sicherheit ausgeweitet werden soll, Obdachlose aus der Stadt vertrieben werden? Was sagt man bitteschön dann?

Vielleicht ziehen meine Freundin und ich jetzt doch nicht nach Hamburg, jedenfalls nicht innerhalb der nächsten vier Jahre. Und in der Zwischenzeit basteln wir lustige Hampelschills. Die Hamburger Jusos bieten auf ihrer Homepage Bastelbögen dafür an. Ihr Slogan: "Hampelmänner gehören ins Kinderzimmer und nicht in die Politik!".

Seht, ihr lieben Kinder, seht, / Wie's dem Schilllipp weiter geht! / Oben steht es auf dem Bild. / Seht! Er schaukelt gar zu wild, / Bis der Stuhl nach hinten fällt; / Da ist nichts mehr, was ihn hält; / Nach dem Tischtuch greift er, schreit. / Doch was hilfts? Zu gleicher Zeit / Fallen Teller, Flasch' und Brot. / Vater ist in großer Not, / Und die Mutter blicket stumm / Auf dem ganzen Tisch herum. Hoffentlich.

|Verlinken?|


15.10.01
Röslein, Röslein, Röslein tot
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Verflixt und zugenäht.)

Blumen, und der Mensch blüht auf – das zumindest behauptet die Werbung. Man stelle sich das nur einmal bildlich vor! Wie ein paar Knospen, ganz plötzlich und unerwartet, aus der Menschenhaut heraussprießen, zu wachsen und zu gedeihen anfangen und sich in wunderhübsche Blütenblätter verwandeln, die den Körper des Menschen fast vollständig bedecken.

Gibt es nicht, ist alles Unsinn, ergo lügt der Werbespruch. Da mag sich der Mensch mit noch so vielen Blumen umgeben – aufblühen wird er dadurch gott sei Dank noch lange nicht.

Und was, wenn nicht einmal die Blumen selbst anfangen wollen, zu sprießen, zu gedeihen und zu blühen? Dann wird es wohl ein heißer Sommer gewesen sein, und ein fauler Florist wird mehrere Wochen lang vergessen haben, die Blumen mit lebenswichtigem Wasser zu versorgen.

Und es tut mir ja auch Leid. Ich wollte Euch Blumen gar nicht verdursten lassen, ich hatte einfach auch andere Dinge im Kopf als Euer Wohlbefinden. Das Fernsehprogramm beispielsweise.

Und wenn Ihr Blumen auf die glorreiche Idee gekommen wärt, mich daran zu erinnern, dass Ihr ganz dringend Wasser benötigt, wäre es erst gar nicht so weit gekommen. Ihr hättet doch schreien können, hättet mich mit Euren Blättern zwicken können. Aber nein! Kommentarlos seid Ihr verwelkt.

Ich hätte es bemerken müssen, als ich sah, wie Eure Blätter stark nach unten hingen. „Die schlafen!“, dachte ich mir. „Wie niedlich.“ Und: „Bloß nicht aufwecken. Bloß nicht ihren Schönheitsschlaf stören.“

Nur leider wurdet Ihr nicht schöner – Eure Blätter wurden erst gelb, dann braun, und dann fielen sie ab. Und dann war es zu spät für Euch. Eine Mülltonnenbeerdigung war das Erste, was mir einfiel.

Mit Blatt und Stiel habe ich Euch würdig weggeschmissen, und als ich Euch so hilflos im Wohlstandsmüllhaufen liegen gesehen habe, ist mir ganz schwer ums Herz geworden.

Ich konnte gar nicht anders, als Euch zwischen den stinkigen Mülltonnen eine kleine Trauerrede zu halten. Wie schön Euer kurzes Leben doch trotz alledem gewesen sei und wie schön Ihr es doch auf meiner Fensterbank hattet. Und als Sahnehäubchen meiner Anteilnahme eine Schweigeminute. Mit Tränenvergießen und allem, was dazu gehört.

Es mag jetzt zwar ein wenig nachtragend von mir sein, doch trotz aller Rührseligkeiten um Euer Fauna-und-Flora-Verwelken hättet Ihr mich nun wirklich einmal daran erinnern können, dass Ihr nach Wasser gelechzt habt. Hättet schreien können. Hättet mich mit Euren Blättern zwicken können. Dann nämlich wäre es erst gar nicht zu dieser misslichen Lage gekommen. Asche zu Asche, Blatt zu Blatt. Doch zum Glück geht das Leben weiter. Und bei den nächsten Pflanzen wird alles ganz anders. Versprochen.

|Verlinken?|


9.10.01
Ball vorm Kopf
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Geschmacksneutral und unverdaulich.)

Wenn Völkerball nicht schon schlimm genug wäre! Ich habe dieses Spiel gehasst. Früher, in der Grundschule, habe ich so manchen Ball an den Kopf bekommen, und so manche Gehirnzelle fehlt mir jetzt, etliche Jahre später, genau aus diesem Grund.

Immer wieder diese Bälle und immer wieder diese Schwärze vor den Augen, wenn ein Ball gegen meinen Schädel wummerte. Und wissen Sie, was das Schlimmste ist? Der psychische Schaden, den mir das Völkerballspielen verpasst hat. Arachnophobia! Agoraphobie! Angst vor der Dunkelheit! Pah. Wissen Sie, wovor ich mich fürchte? Vor Bällen! Wie sie mir ins Gesicht fliegen könnten. In die Magengegend. Oder sonstwo hin, in noch empfindlichere Körpergegenden. Und das alles wegen dieses dämlichen Spiels, das ich in der Grundschule in fast jeder Pause zu spielen hatte.

Und was muss ich jetzt, auf meine alten Tage hin, zu sehen bekommen? Was bitteschön haben sich die kreativen Kinderchen für einen Zeitvertreib ausgedacht, die sich so gut wie jeden Tag auf dem Hinterhof zusammenrotten? Völkerfußball!

Als wenn Völkerball allein nicht schon schlimm genug wäre! Es muss natürlich gleich eine Mischung aus Fußball und diesem widerwärtigen Sadistenspaß sein. Diese elendige Jugend von heute! Bei dieser neuen Variante geht es nämlich nicht mehr nur darum, den Gegner mit einem gezielten Wurf zu treffen, sondern mit einem harten Schuss zu eliminieren. In den Boden zu rammen. Zu verletzen. Und geradewegs ins Krankenhaus zu befördern. Und ist die Kraft nicht sowieso erheblich größer, wenn man einen Ball wegkickt als ihn nur in Richtung Feind zu werfen?

„Jetzt hast du nur noch neun Leben“, schrie eines der Blagen begeistert, als es einen Kontrahenten mit dem Fußball erwischt hatte. Ich jedoch konnte diese Begeisterung absolut nicht teilen, denn meine Ballparanoia überwog. Flashbacks an die Verwundungen in der Grundschulzeit, Flashbacks an dunkelblaue Flecken. Und vor allen Dingen Flashbacks an die unzähligen Ballattacken. Was brauche ich Erinnerungen an Vietnam, wenn ich Erinnerungen an Völkerball habe? Dieses widerliche Völkerball!

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir während des Sportunterrichts Fußball spielen mussten. Und wohin hat mich meine Ballangst getrieben? Es mag jetzt zwar zynisch klingen, aber ich stand ein gesamtes Spiel im Tor meiner Mannschaft.

„Die Abwehr wird den Ball schon nicht allzu nahe an mich heranlassen“, werde ich mir in meiner Naivität gedacht haben, „hier im Tor bin ich sicher vor den Bällen. Ganz sicher.“

Und dann bekam ich den ersten Ball ab, wenige Minuten später folgte der nächste. Und noch ein Fußball traf meinen Körper und fügte mir gar schlimme Verletzungen zu. Und dann kamen die Flashbacks. An die Völkerballspiele. An die vielen Bälle, die in meinem Gesicht landeten und es nach und nach lädierten. An die blauen Flecken. Die Schwärze vor den Augen. Ich hasse, hasse, hasse Völkerball. Und Bälle im Allgemeinen sowieso. Wie gesagt: Was braucht man Erinnerungen an Vietnam, wenn man mit Völkerball aufgewachsen ist?

|Verlinken?|


2.10.01
Wer rast, rostet nicht
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Mit Spannung, Spiel und guter Laune.)

Autofahren! Das ist der Traum aller Männer. Auf der Autobahn das Gaspedal durchtreten und bei geöffneten Fenstern die abgasverpestete Luft um den Kopf wehen lassen. Ein Gefühl von Freiheit ist das, ohne Übertreibung.

Und ohne Übertreibung bin ich Deutschlands schlechtester Autofahrer, wenn nicht sogar der Schlechteste in ganz Europa oder gar der ganzen Welt. Und ganz besonders schlecht kann ich einparken, da mag die Lücke noch so geräumig sein. Und ist man überhaupt würdig genug, sich Mannsbild nennen zu dürfen, wenn man nicht einmal die Kunst des Karosseriebetriebs beherrscht? Wohl kaum. Eine Memme bin ich!

Und wieder einmal sehe ich die Lücke zwischen zwei Autos, und ich freue mich. Da bin ich unzählige Minuten um den Block gefahren, und nach weiteren Augenblicken noch einmal, und wieder und wieder und wieder fahre ich durch die selben Straßen, blicke nach links, schaue nach rechts und finde keinen Parkplatz. Doch schließlich ist sie da, die segenbringende Lücke! Ein bisschen klein geraten vielleicht, aber das wird schon.

„Das wird schon!“, denke ich mir, fahre ein Stück nach vorne, um ganz so rückwärts einzuparken, wie es mir in der Fahrschule beigebracht wurde. Ich beginne zu schwitzen, doch das wird schon. „Das wird schon, das wird schon, daswirdschon“, rede ich mir in Gedanken immer und immer wieder ein.

Und nun heißt es, das Lenkrad einzuschlagen. Ich drehe es zur einen Seite, und wieder einmal wird mir bewusst, was für ein schlechter Autofahrer ich doch bin. Falsche Richtung! „Falsche Richtung, falsche Richtung, falscherichtung“, rufe ich in die Leere meines Autos. Pech gehabt. Bin ich wirklich so dämlich, das Lenkrad in die falsche Richtung einzuschlagen?

Es bleibt mir nun also nichts anderes übrig, als wieder aus der Lücke herauszufahren und es noch einmal zu probieren. „Nicht die fremden Autos rammen, nicht die fremden Autos rammen, rammverdammtnochmalnichtdiefremdenteurenautos“, schreie ich aus mir heraus, doch mein Fluchen gleicht eher einer Prophezeiung oder einem Omen.

Gerammt! Hier kann ich jetzt nicht mehr parken. Zu verdächtig. Und wahrscheinlich wird der Besitzer des sehr, sehr teuren und sehr, sehr gerammten Wagens ein riesiger Hunne mit Muskeln aus Stahl sein, der nichts Besseres zu tun hätte, als mir einen kräftigen Schlag ins Gesicht zu schenken.

Ich begehe Fahrerflucht. Und ist das nicht Beweis genug, dass ich Deutschlands schlechtester Autofahrer bin, wenn nicht sogar der Schlechteste in ganz Europa oder gar der ganzen Welt? Aber Auto fahren ist nun einmal nicht ganz so wichtig, wie man immer glaubt. Es gibt schließlich noch viele andere Fähigkeiten – wichtigere Fähigkeiten. Ich sollte anfangen, mich mehr mit Putzen, Bügeln und Kochen zu beschäftigen. Häkeln wäre bestimmt auch ein netter Zeitvertreib.

|Verlinken?|