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30.1.02
Affenhintern auf Eis
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Und eigentlich mag ich Affen ja wirklich. Wie sie ihre Bananenvorräte tonnenweise in sich hineinstopfen können und damit zeigen, dass sie unserem fetten, verfressenen Menschenvolk in gewissem Sinne schon recht ähnlich sind - zumindest, was das Essverhalten unter gewissen Umständen angehen mag.

Doch wenn mich Affen eine liebe, lange Nacht wachhalten, mag ich sie überhaupt nicht mehr leiden. Was müssen sie sich auch in dieser schrecklich-schrägen Wintersportart Curling betätigen, welche mehr an einen Putzmarathon als an einen sportlichen Wettkampf erinnert. Beim Sport hört der Spaß nämlich auf, und eine behaarte Affenbande hat dort beim besten Willen nichts zu suchen.

"Monkey Curling Championship 1986" nennt sich dieser Schlafkiller, und den nächsten wachmachenden Kaffee müssen mir diese stinkenden Primaten ausgeben, denn schließlich musste ich meine Zeit nur wegen ihnen bis in die frühen Morgenstunden am Computer verbringen.

Und noch ein kleiner Tipp für den Anfang: Über Bande spielen bringt meines Erachtens recht gute Ergebnisse.

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26.1.02
Wie das letzte Hemd
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Hergestellt ohne Zusatz künstlicher Aromastoffe.)

Das Grauen kommt in Gestalt alter Fotos. Schlimm sah ich damals aus, sehr schlimm sogar. Und wie schick ich früher angezogen war! Jeden Tag Holzfällerhemden. Schwarz-weiß gestreifte, rot-schwarze und auch schwarz-weiße Quasi-Stofffetzen trug ich. Ich hatte schließlich einen großen Schrank voller Schrecklichkeiten, den ich meinen Mitmenschen präsentieren musste. Und am allerallerliebsten hatte ich mein grün-schwarzes Holzfällerhemd. Und jetzt ist es weg. Jetzt, wo ich mir meine unmodischen Verrenkungen noch einmal vor Augen führen wollte.

Dinge verschwinden nicht einfach so, und meistens gibt es jemanden, der sie klaut und gemeinerweise wegschmeißt. Beispielsweise hat meine Mutter meinem Vater bereits einige Male klammheimlich Kleidungsstücke entführt, weil diese nun einmal absolut widerwärtig und abgenutzt aussahen. Schließlich will sie nur sein Bestes, und so verschwanden seine Lieblingspullover und Lieblingshosen mirnichtsdirnichts und waren niemals mehr gesehen. Höchst wahrscheinlich hatte sie meine Mutter bei der nächsten Mülltonne oder einer kommerziellen Altkleidersammlung in Obhut gegeben.

Und nun, nach zwei Wohnungsumzügen, bei denen meine Mutter fleißig mitgeholfen hatte, muss ich schockiert feststellen, dass mein damaliges Lieblingsholzfällerhemd nicht mehr auffindbar ist. Hat sich in Luft aufgelöst. Ist zu Staub zerfallen. Ist in eine andere Daseinsform übergegangen.

Ich hoffe nur, dass jemand anders jetzt genauso viel Spaß mit dem Hemd haben wird wie ich damals hatte. Womöglich trägt es in genau diesem Moment ein kleines, schwarzes, halb verhungertes Somalikind, verschwindet fast in dem riesigen, grün-schwarz karierten Hemd, trägt dieses Kleidungsstück jedoch mit unglaublich viel Würde über dem angeschwollenen Hungerbauch und freut sich darüber, dass es ihm eine nette und freundliche, aber dafür überfüllige, alte und runzlige Dame von der Altkleiderspendeaktion zum Geschenk gemacht hatte.

Wahrscheinlicher ist jedoch wohl eher, dass das Hemd von der örtlichen Müllabfuhr mit viel Liebe zerhackstückelt, verbrannt und vergraben wurde. Mein schönes Lieblingshemd – für immer zerstört und vernichtet. Da gehen sie hin, meine Erinnerungen an die Jugend. Und zum Glück trage ich heutzutage modischere Kleidungsstücke, Hawaiihemden sind nämlich unglaublich sexy. Das zumindest hoffe ich.

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22.1.02
Die gelbe Gefahr im Höllenblabla
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Wie wäre es mit einem kleinen Experiment? Man setze sich so dicht an den Fernseher, dass die Nasenspitze den Bildschirm berührt und schalte einen beliebigen Musiksender mit wilden, schnellen Schnitten und dröhnender Geräuschkulisse ein. Man wird nervös. Man wird hektisch. Und schon beginnen die fast schon epileptisch anmutenden Zitteranfälle.

Man kann es jedoch auch einfacher haben. Man benötigt gar keinen Musiksender, man benötigt lediglich Yatta. Und das macht selbst den abgebrühtesten Fernsehjunkey wie mich überwirr, übernervös und übelst überkandidelt. Da gibt es singende Erdbeeren und singende Bananen im Frack. Yatta Cola. Yatta & Shoulders. Yatta Television. Überall Yatta! Yatta! Yatta!

Und diese japanisch-poppige Musik! Saugt sich an den Gehirnlappen fest, und wer weiß! Wahrscheinlich ist Yatta (Yatta! Yatta!) eine als trashiger Internetjux getarnte Gehirnwäsche, ersonnen von übellaunigen Japanern, die die Weltherrschaft über das böse, westliche Reich erlangen wollen. Doch eure sublimaren Beeinflussungen werden uns nichts anhaben können, ihr gelben, schlitzäugigen Männer! Yatta. Yatta. Denn wir sind der starke Westen. Yatta. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Yatta. Yatta. Yatta. Wir doch nicht.

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16.1.02
Die dunkle Seite der Nacht
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Auch als Bausatz erhältlich.)

Die Beulen an meinem Kopf werden immer größer. Ich fasse über meine Stirn und spüre, wie sich die Umrisse der Alpen dort vollständig abbilden. Da drüben beginnt Italien, auch den Grenzstreifen kann ich ertasten. Ich würde mir die geografischen Begebenheiten gerne anschauen, doch darauf werde ich bis zum Sonnenaufgang verzichten müssen: Überall Dunkelheit! Die gesamte Wohnung ist stockfinster.

Und es knallte. Und es schepperte. Und dann brannte die eine Glühlampe durch, kurze Zeit später tat es ihr die nächste nach. Man mag es Gruppenzwang nennen oder, wenn man ehrlich ist, die schlechte Qualität von Billigbirnen als Erklärung finden.

Und immer wieder sagte ich meiner Freundin: „Morgen“, sagte ich zu ihr, „morgen werde ich neue Glühlampen kaufen, damit wir nicht irgendwann im Dunklen sitzen.“ Und natürlich verdrängte ich dieses Vorhaben in die allertiefsten Gehirnwindungen, und dann knallte es erneut, und dann schepperte es, und dann war es zappenduster in unserer Wohnung. Das Licht war aus, und ich rabimmel-, rabammel-, rabummerte gegen die Badezimmertür, dann gegen die Wand, gegen den Küchentisch, sogar gegen einen mir unbekannten Mann klatschte ich, von dem ich noch immer nicht weiß, was er überhaupt in meiner Wohnung zu suchen hatte.

Ich könnte heulen, dass ich vergessen hatte, die Gehirnzellen rettenden Glühlampen zu kaufen, denn dann hätte mein Kopf nicht diese vielen Schmerzattacken aushalten müssen. Und überall habe ich nun Beulen, blaue Flecken und Schürfwunden.

Doch wie konnte das überhaupt geschehen? Wie konnten bei uns in der Wohnung nahezu alle Lichter auf einmal ausgehen? Ein Fluch? Meinte es das Schicksal schlecht mit uns? Ist unsere Wohnung gar verhext?

Das ganze wird mir nun doch ein wenig zu unheimlich. Es wird die Wohnung sein, die uns loswerden will. Sie will uns herausekeln. Will uns kein Licht mehr gönnen. Und wer weiß, was sie sich sonst noch Bösartiges gegen uns ausdenkt, wenn wir jetzt nicht schnell handeln.

Meine Freundin und ich sollten auswandern, und das möglichst bald. Wir müssen diese mysteriös-böshartige Wohnung so weit wie möglich hinter uns lassen. Sofort! Also ohne zu zögern die Koffer packen und fliehen, vielleicht ja sogar nach Italien - eine Landkarte habe ich schließlich schon in Form einer beulentopographischen Abbildung bei mir dabei. Das war dann wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl, den mir unsere Wohnung damit verpasst hat.

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14.1.02
Kaktus und Baktus
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Eigentlich machte es mir immer recht viel Spaß, etwas zu essen und meine Geschmacksnerven zu stimulieren oder, etwas weniger übertrieben ausgedrückt, meine Fressattacken auszuleben. Das ist nun leider nicht mehr der Fall, denn das Kauen tut mir seit einigen Wochen mehr als nur ein wenig weh. Und weshalb? Zwischen meinem linken Backenzahn und dem benachbarten Beißerchen verfangen sich seit kurzem kleine Fleischteilchen, Gemüsereste und diverse andere Kaloriengräten. Und wie das sticht! Wie ein Kaktus, der sich in meinem linken Mundwinkel verfangen hat und sich mit seinen Stacheln ins Zahnfleisch bohrt.

Und ich weiß auch wirklich nicht, weshalb einige Menschen Kakteen mögen, ist diese Pflanzenart doch der Inbegriff für Schmerz und Leid. Denn der Kaktus, der sticht, sticht, sticht, und schön ist das beileibe nicht. Und weshalb einige Menschen Kakteen so sehr mögen, dass sie einen Kaktus zum Star einer Internetseite machen, ist mir ebenfalls unklar.

Da steht er nun also, der Gigolo unter den Stechpflanzen, und lächelt in die Webcam, die ihn tagtäglich beobachtet. Die Betreiber dieser Homepage beschreiben ihn, den König der Kakteen, dann auch trefflich als "zartes Stechen im Büro". Und je nach Berührungsart kann sich dieses zarte Stechen in ein hartes Gebrechen verwandeln - gar nicht auszudenken, wie weh solch ein Kaktus tun kann.

Ich jedenfalls habe genug von meinem Quasi-Kaktus im Mund, der sich mit seinen Stacheln ins Zahnfleisch bohrt. Eine kleine Investition für ein Päckchen Zahnseide wird mir höchst wahrscheinlich helfen, dieses Übel zu bekämpfen.

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6.1.02
Luder boxen
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Schön ist es, mal im Zoo zu sein und die freundlich-exotischen Tiere zu besuchen. Und wenn gerade einmal keine wichtig wirkende Aufsichtsperson in der Nähe sein sollte, kann man die Tierchen ruhig mit Süßigkeiten füttern, wird schon niemandem auffallen. Und schaden wird das den Viechern ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil: Ein paar Bonbons werden den Knasttieren ihre Gefangenschaft sicher ein wenig versüßen.

Am liebsten mag ich ja die Affen, diese drolligen, menschenähnlichen Wesen. Stundenlang könnte ich bei ihnen am Käfig stehen und dabei zuschauen, wie sie sich gegenseitig entlausen und den einen oder anderen Zoobesucher mit Erdnussschalen oder sogar Fäkalien bewerfen. Aber wehe, wenn sie das bei mir wagen sollten! Dann ist es aus mit meinen Süßigkeitensonderfütterungen. Denn dann werde ich affig, dann schlage ich zurück.

Dann hole ich kräftig mit meiner flachen Hand aus, und schon hat der Affe links und rechts eine hängen. Mich wird er so schnell nicht mehr mit diversen Gegenständen oder Körperausscheidungen bewerfen. Mein Bestergebnis im Affenboxen ist übrigens eine Wegschlaggeschwindigkeit von 441 Meilen pro Stunde.

Ich habe es mir nun auch abgewöhnt, die Zootiere illegalerweise mit Süßigkeiten zu füttern, soll ja auch überhaupt nicht gut für ihre Verdauung sein. Stattdessen schlendere ich jetzt öfters an Lama, Elefant und Löwe vorbei und haue sie windelweich. Und wieviel Spaß das macht, ein Fest für die Seele ist das!

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3.1.02
Männerfreundschaft mit einem Mächtigen
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Nun gut, ich gebe es ja schon zu, denn ich habe lange genug geschwiegen. Bevor sich die Geheimdienste der Welt noch weitere Wochen um Kopf um Kragen suchen, gebe ich ihnen lieber einen heißen Hinweis, wo sich der derzeit meistgesuchteste Mensch versteckt hält. Und er ist freundlicher als sein Ruf vermuten lässt, davon konnte ich mich während der letzten Tage hautnah überzeugen.

Eben gerade habe ich meinem Osama einen heißen Kaffee gekocht, doch ich werde seinen Koffeinkonsum etwas einschränken müssen, denn ich vermute, dass zuviel davon nicht gut für seine Gesundheit sein könnte. Nachher werden wir uns ein paar amerikanische Soap-Operas im Fernsehen anschauen, die liebt mein Osi nämlich ganz besonders. Seit drei Tagen darf ich ihn sogar duzen, und das klingt auch viel netter, als wenn ich ihn ständig mit "Herr bin Laden" anreden würde, so wie ich es in der Anfangszeit tun musste.

Zum Glück wissen die Geheimdienste nicht, dass mich mit Osi eine innige Männerfreundschaft verbindet, und deswegen suchen sie noch immer in Afghanistan nach meinem ausländischen Kumpel und nicht in meiner Wohnung. Sollen sie doch weitersuchen und sich verzweifelt "Where´s Osama bin hidin'?" fragen. Noch eine Tasse Kaffee, Osi? Aber das ist nun wirklich das letzte Mal, dass ich sie dir nachfülle. Du weißt doch, dass das deinem Herzen schadet. Aber bitte, wenn du nicht auf mich hören willst, du bist schließlich ein erwachsener Mann.

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2.1.02
Eine kleine Weihnachtsgeschichte
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Inklusive verspätetem "Ho! Ho! Ho!")

Und? Wie war Ihr Weihnachtsfest? Hat Opa wieder einmal zu tief ins Glas geguckt und von der guten, alten Zeit geschwärmt? Hat grässlich-gruselige Nazilieder anstelle der Weihnachtsevergreens gegröhlt und den Enkel dazu ermutigt, mitzusingen? Und Oma hat wieder einmal zu heulen angefangen, weil Sie vergessen haben, Ihr ein Geschenk zu besorgen? Bei mir jedenfalls verlief das Weihnachtsfest weitaus friedlicher – ich wäre lediglich kaltblütig ermordet worden, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Man kennt da ja: Während dieses christlichen Fests fließt der Alkohol nur so in Strömen, und meistens ist man auch schon zur Mittagszeit vollends zugedröhnt. Denn schließlich hat das Jesuskind nur einmal im Jahr Geburtstag, und das muss nun einmal so gefeiert werden. Hoch die Tassen, und bloß nicht den schönen Weihnachtsbaum bekotzen! Und man sollte es auch tunlichst vermeiden, das herrliche Festessen mit halb verdautem Mageninhalt zu ruinieren. Bei meiner Familie gab es schlesische Bratwürstchen, Sauerkraut mit Weintrauben und selbstgemachten Kartoffelbrei. Unwiderstehlich delikatös. Und lecker!

Und zum Abschluss des herrlichen Heiligabendmahls ein kleines Verdauungsschnäpschen, einen können wir ja schließlich noch. Meine Großmutter hatte meinem Vater einen Kräuterschnaps geschenkt, der schon vom Äußeren her nicht sehr einladend aussah. In einer traurig-schwarzen Flasche waberte die dickflüssige Alkoholmasse, und eigentlich brauchte ich überhaupt keinen Verdauungsschnaps. Ein Verdauungsschlaf wäre angebrachter gewesen oder besser noch ein dreitägiger Komaanfall, um meiner Sippschaft und deren Blablagesprächen und vor allen Dingen dem obligatorischen Weihnachtsstreit zu entfliehen. Doch was tut man nicht alles, um sich in möglichst christlich-besoffene Stimmung zu bringen? Und man stellt es sich auch so einfach vor: Mund auf, Getränk rein, runterschlucken, fertig. Ist aber gar nicht so einfach, ist sogar lebensgefährlich.

„Auf Ex!“, lallte mir mein Bruder zu. „Auf Ex! So muss man das trinken.“ Und während mein Vater an der originalversiegelten Teufelszeugsflasche herumprokelte, weil er sie nicht aufbekam, gaben wir fachmännische Hilfe. „Du musst den Plastikverschluss durchschneiden!“ – „Du musst das Plastik mit den Zähnen wegbeißen!“ – „Du musst den ganzen Flaschenkopf wegflechsen!“ Schließlich hatte er die Flasche dann doch noch aufbekommen, dank unserer grandiosen Hilfe versteht sich.

Der Kräuterschnaps wurde in die Gläser gekippt, und ein beißender Gestank machte sich im gesamten Zimmer breit. Doch von nun an gab es kein Zurück mehr – runter mit dem verdammten Gesöff! Auf Ex.

„Auf Ex! Auf Ex! Auf Ex!“, schrie mein Bruder, und ich kippte das Zeug samt des luftabschnürenden Pastikverschlusses in meinen Rachen. Dieser nämlich war meinem Vater bei den verzweifelten Öffnungsversuchen zuerst in die Flasche gerutscht und dann ist er, aus Versehen versteht sich, in mein Glas gegossen worden, und ich möchte wirklich niemandem böse Absichten unterstellen. Und dann versuchte ich, möglichst nicht zu ersticken, denn schließlich gibt es nichts Schlimmeres als am heiligen Abend inmitten des Friede-Freude-Eierkuchen-Tamtams abzukratzen.

Und ich würgte. Und ich röchelte. Und ich war kurz davor, den Löffel abzugeben. Außerdem machten mich die Weihnachtstage eh depressiv und schlapp – eine gute Gelegenheit für eine Flucht ins Nirvana bahnte sich an.

Meine Mutter hatte lediglich die Angst, dass ich das vor kurzem verspeiste Festessen zurück auf den Esstisch befördern könnte. „Wenn du kotzen musst“, fauchte sie hysterisch, „dann geh ins Bad!“ Ganz richtig, dachte ich mir, was soll ich vor den Augen meiner mich liebenden Familie sterben? Und vor allen Dingen: Was sollten sie mir auch helfen, damit genau das nicht geschah? Stattdessen sollte ich ins Badezimmer gehen, doch ganz so einsam wollte ich dann doch nicht von dieser Welt gleiten. Und ich würgte. Und ich röchelte. Und ich war kurz davor, meinen liebenswerten Verwandten ein atemberaubendes „Auf Wiedersehen“ entgegenzujaulen.

Schließlich habe ich den Plastikverschluss doch noch aus meinem Rachen röcheln können, aber meinen Familienmitgliedern hielt ich noch die gesamten weiteren Festtage vor, dass sie mich kaltblütig sterben lassen wollten. Juristisch betrachtet wäre es zwar kein Mord gewesen, doch als unterlassene Hilfeleistung konnte man deren Verhalten auf jeden Fall bezeichnen. Mehr noch als nach den vorigen zweiundzwanzig Weihnachtsfesten bin ich froh darüber, die Feiertage überlebt zu haben.

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