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28.5.02
Angriff der Klokrieger
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Ein Nachteil von Tarotkarten ist, dass man mit ihnen kein Skat spielen kann, kein Poker und auch kein Mau-Mau. Ein weiterer Nachteil von Tarotkarten ist, dass sie nicht einmal die Zukunft voraussagen können. Ist doch alles Humbug. Aberglaube. Schwachsinn! Und auch Kaffeesatzlesen wird dem neugierigen Menschen von Welt nicht verraten können, in welcher Gosse er in ein paar Jahrzehnten gelandet sein und von welcher Katzenfuttersorte er sich dann ernähren wird.

Nur das Klorakel kann das, denn das Klorakel kann wirklich und wahrhaftig die Zukunft voraussagen. Man stelle eine Portion frisch Verdautes zusammen, samt Klopapier und diversem Pipapo, gebe an, wie lange der Toilettengänger gebraucht hat, die braunen Bröckchen aus sich herauszupressen und wie sehr diese stinken, und schon weiß der Pups-Prophet, was ihm früher oder später blühen wird.

Ich glaube nicht an Zukunftsvisionen welcher Art auch immer und daran, dass man voraussagen kann, was passieren wird.

Und würde ich an das Klorakel glauben, wäre schon jetzt klar, wie meine kommenden Jahre aussehen würden. Denn wenn man aus abgestoßenen Magendarminhalten die Zukunft lesen könnte, gäbe es überhaupt keine andere Möglichkeit, wie diese aussehen würde: scheiße nämlich.

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20.5.02
Lieber Nacht- als Staubschicht
("Ey Welt!" - Die wöchentliche Kolumne. Von der Steuer absetzbar.)

Ich schließe die Schlafzimmertür hinter mir zu. Ich warte fünf Sekunden. Und ich lausche. Another one bites the dust! Immer wieder dieses Lied. Immer wieder. And another one gone, and another one gone. Another one bites the dust. Ich reiße die Tür mit einem kräftigen Ruck auf und kann gerade noch beobachten, wie zwei Krümel panisch unter mein Kopfkissen kriechen wollen, aber ich habe sie erwischt, bevor sie sich unter ihrem angestrebten Unterschlupf verstecken konnten. Und hinter sich her schleifen sie ihren mikroskopisch kleinen Ghettoblaster, aus dem dieses ach so scheußliche Lied kracht. Are you ready, are you ready for this, are you hanging on the edge of your seat? Es scheint ihr Lieblingslied zu sein, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Meine Freundin und ich essen nicht etwa am Esstisch, ganz so, wie es der Benimmknigge doch eigentlich vorschreibt, macht doch jeder, viel zu ordinär, nein, nein, am Esstisch doch nicht. Wir essen im Bett, das ist halt so. Es ist gemütlich dort, direkt vor dem Fernseher. Und damit möglichst wenig Krümel und Essenskladderadatsch auf dem Bettlaken landen, legen wir Zeitungsseiten aus, auf die wir unsere Teller stellen. Hilft aber nichts, immer wieder schaffen es eine nicht geringe Anzahl an Krümelkumpel, es sich auf unserem Bett gemütlich zu machen. Und ich hasse Krümel im Bett! Are you happy, are you satisfied? How long can you stand the heat?

Ganz besonders hasse ich natürlich die Krümel, die die Musik von Queen verehren und diese tagtäglich aus ihrem Ghettoblaster klirren lassen, den Lautstärkeregler bis zum Anschlag hochgedrückt. Und eben solche Krümel sind bei uns im Bett besonders verbreitet. Jeden Tag Discothek bei uns! Eintritt frei! In unserer Bettenburg! Und immer, wenn meine Freundin und ich unser Schlafzimmer verlassen, die Tür schließen, gar in die große, weite Welt hinausziehen, kriechen sie geheimniskrämerisch hervor, die Krümel und drehen ihre scheußliche Musik auf. There are plenty of ways you can hurt a man and bring him to the ground. Diese Krümel werden mein Untergang sein, sie werden mich zugrunde richten.

Ich hasse Krümel. Ich hasse Queen. Und ganz besonders hasse ich das schreckliche Lied „Another one bites the dust“, das man doch gerade in diesen gar so schlimmen Zeiten in den Giftschrank wegschließen sollte, denn schließlich geht es darin um ein mörderisches Maschinengewehrmassakar. Aber wenn es die Krümel nun einmal mögen? Immer wieder dieses widerwärtige Lied. Und es wird keine Rettung geben, denn schließlich werden wir niemals, niemals, niemals am Esstisch essen, sondern immer im gemütlichen Bett, direkt vor dem Fernseher. Und deswegen werden die Krümel noch hunderte von weiteren Jahren in unserem Bett ihre Privatdiscothek abhalten. Bald schon werden sie eine Discokugel anschleppen, Gott weiß woher, und rote, grüne, gelbe Leuchten und auch ein Stroboskop über unserem Bett aufhängen. Und immer wieder Queen. Und immer wieder ihr Lieblingslied. Another one gone, and another one gone, another one bites the dust. Hey, I'm gonna get you, too.

Bis der Staubsauber angreift, werden sie zu Queens „Another one bites the dust“ schunkeln, und wahrscheinlich werden die krümeligen Kotzbrocken auch noch im Staubbeutel zu den monströsen Melodien mitgröhlen, und dieses fiepsig-schräge Gesinge wird aus dem Teleskopsaugrohr heraus hallen. Es wird keine Rettung geben, wir sind alle verloren. Das Ende der Welt ist nah, und Queens Klänge werden uns bis dahin begleiten. Das ist die Hölle auf Erden, und ich kann jedem nur raten, der nicht auch von diesem Schicksal ereilt werden will, am Esstisch zu essen. Niemals mehr im Bett, nicht einmal zum Sonntagmorgenfrühstück, ich kann es jedem vernunftbegabten Menschen nur ans Herz legen.

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7.5.02
Digital statt Körperqual
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Völkerball! Wie sehr ich dieses Spiel gehasst habe, als ich es in den unzähligen Pausen auf dem Schulhof meiner Grundschule spielen musste.

Blaue Flecken! Ein fies grinsender Ball, der sich mir mit wahnsinniger Geschwindigkeit näherte und wie eine Bombe und mit einem lauten Krachen an meinem Kopf aufdonnerte. Ich möchte nicht weiter über dieses unsportliche Sportspiel nachdenken, weckt nur böse Erinnerungen. Und außerdem habe ich schon einmal berichtet, wie schlimm Völkerballspielen und dessen Folgen für mich waren.

Und jetzt hat sie mich erwischt, die Gilde der Völkerballliebhaber. Die Sportskanonen haben mich einer lang andauernden Gehirnwäsche unterzogen. Haben mich mit ihren Gedanken infiltriert. Und jetzt liebe ich Völkerball, ein tolles Spiel ist das! Es macht Spaß, hält jung, weckt den Teamgeist. Jeden Tag zelebriere ich Völkerball. Völkerball am Morgen, Völkerball am Nachmittag, Völkerball am Abend. Völkerball ist mein Leben, jetzt hat es wenigstens einen Sinn.

Der Vorteil von "Ultimate Dodgeball" ist, dass es nicht wehtut, und wahrscheinlich spiele ich es deswegen so gerne, obwohl mich meine Völkerballphobie doch eigentlich fast in den Wahnsinn treibt und ich ansonsten alles meide, was mit Völkerball und Ballsportarten im nur entferntesten Sinne zu tun haben könnte. Und vielleicht ist Völkerball ja doch nicht ganz so bösartig, wie ich früher an meinen blau-rot-braunen Hautverfärbungen ablesen konnte, die sich auf meinem Körper gut leserlich zu den Worten "Völkerball ist böse" formiert hatten. In Wirklichkeit ist es nämlich ein Schulhofschach für Sportler, ein Taktikthriller für Athleten.

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3.5.02
Keine Hose ist keine Hose ist keine Hose ...
("Ey Aktuell!" - Die aktuelle Nachricht. Immer wieder neu.)

Heute ist ein besonderer Tag. Für dich. Für mich. Für alle Menschen dieser Welt. Denn der dritte Mai ist der offizielle "No-Pants-Day". Also zieh gefälligst deine Hose aus, und den gesamten, heutigen Tag bleibt sie auch ausgezogen. Und jetzt Hose runter! Aber sofort! Ab in die Ecke damit!

Und dann raus auf die Straße, und dann reißt du deinen Mitmenschen ihr geliebtes Kleidungsstück vom Leib. Ihre Jeans-, Stoff-, Kord- oder Jogginghosen. Muss schließlich sein. Denn heute ist "No-Pants-Day", da gehört sich das so.

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