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25.8.02
Das schreibt Sueddeutsche.de: "Was wir trotzdem mitbekommen haben: Schröder steht rechts - nanu. ... 20.54 Uhr: Schröder schaut Stoiber zum ersten Mal an. Stoiber guckt stoisch geradeaus. ... Stoiber bringt Details, da ist er wieder, der Akten-Ede. Er will ausreden, was ihm Schröder mit einer großmännischen, gönnerhaften Geste erlaubt. Schröder ist der bessere Schauspieler. ... 21.10 Uhr: Jetzt streiten die zwei über die Hartz-Kommission. Eine ganz trockene Angelegenheit. Nicht unser Problem: Unser Kühlschrank ist voll Bier. Das Redaktionskind rennt derweil ohne Windel durchs Büro. ... 21.13 Uhr: Stoiber macht sich Notizen. Darf der das? Gegen die Regeln ist aber nur, Notizen mitzubringen. Wir fordern: Herr Stoiber, geben Sie den Zettel her!!! ... Jetzt Zahlenhuberei. Stoiber irgendwie im Element. Schröder: "Sie sollten Akten nicht nur tragen, sondern auch lesen!" ... Schröder wirkt inzwischen gelangweilt. Stoibers Finger knabbern weiterhin am Pult. ... Schluss: Schröder geht auf Stoiber zu, handshaking. Stoiber, griffelinswamssetzend, AB."

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Das, äh, TV-Duell!
("Ey Äh!" - Der Stammelstoiberfaktor. Wo bleiben denn da die Inhalte?)

1. Frage: 13 Ähs
Nachfrage: 10 Ähs

2. Frage: 9 Ähs

3. Frage: 10 Ähs

4. Frage: 7 Ähs

5. Frage: 6 Ähs

6. Frage: 8 Ähs
Nachfrage: 1 Äh

7. Frage: 3 Ähs (ein Insekt setzt sich auf Stoibers Stirn)

Konter: 3 Ähs

8. Frage: 5 Ähs

9. Frage: 4 Ähs
Nachfrage: 2 Ähs

10. Frage: 3 Ähs

Konter: 1 Äh (Stoiber verwechselt Pfennig und Cent)
2. Konter: 1 Äh

11. Frage: 3 Ähs

12. Frage: 5 Ähs

13. Frage: 5 Ähs

14. Frage: 1 Äh
Nachfrage: 1 Äh

Konter: 0 Ähs

15. Frage: 5 Ähs

16. Frage: 7 Ähs

17. Frage: 11 Ähs (es ging um Stoibers Frau, um "Muschi")

Schröder sagt, dass Doris sich nicht in seine Politik einmischen würde - weshalb schreibt sie ihre Kolume dann gerade auf des Kanzlers Website?

Nachfrage: 3 Ähs (das Insekt sitzt erneut auf Stoibers Stirn)

Schluss-Statement: 0 Ähs (auswendig gelernt?)

Alle Angaben ohne Gewähr.

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20.8.02
Treppenhausterror
("Ey Glotze!" - Die Medienkolumne. Ersteigert das Bruttosozialprodukt.)

Rüdiger schwitzt. Noch ein paar Stufen, dann hat er das dritte Stockwerk erreicht, dort, wo er mit seiner Frau Rosemarie wohnt. Unter seinen Arm hat er ein riesiges Kuscheltier geklemmt – das Maskottchen der Fernsehsendung „Brisant“ als Riesenwuschelkuscheltier, ein Meter achtzig ist es groß. Neunundzwanzig Videokassetten mit MDR-„Tatort“-Folgen balanciert er auf seinem Kopf.

Zwischen seine Zähne geklemmt hat Rüdiger eine Weinflasche, irgendwie muss er die schließlich auch noch transportieren. Ein guter, alter Riojo, Jahrgang 84 – inklusive einer eigens von „Fakt“-Moderator Peter Escher unterschriebenen Autogrammkarte. Zum fünften Mal läuft er nun schon treppauftreppab, und er ist richtig sauer auf seine Frau.

„Hättste ma nich alles ersteigert“, keift er sie an. „Jetzt muss ich alles rauf in die Wohnung schleppen. Und wie is das? Scheiße is das! Richtig scheiße.“

„Komm schon, Rudi“, antwortet Rosemarie, „hast es doch gleich geschafft, dann is alles in unsrer Wohnung.“

„Nenn mich nicht Rudi, du weißt, dass ich das nich mag. Ich nenn dich doch auch nicht Rosi.“ Kleinlaut antwortet sie, dass er das doch könne, und dass sie das sogar sehr schön finden würde. „Nö“, grummelt Rüdiger, „kann ich nich. Geht nich. Und mach ich auch nich.“

Vorher hatte er drei lebensgroße Pappfiguren das Treppenhaus hochgetragen – den Nochkanzler Gerhard „Gerd“ Schröder, den Noch-Nicht-Kanzler Stotter-Stoiber und Johann Wolfgang von Goethe. Dazu die maßgeschneiderten Anzüge der „Prinzen“ - die Popband aus der Zone mit dem unverkennbaren Ostdeutschlandsound. Eine fünfzehnbändige Brockhaus-Edition im Andy-Warhol-Design. Ein original Plakat zu einem der wohl spannendsten Boxkämpfe der Weltgeschichte – dem, in dem Mike Tyson seinem Gegner Evander Holyfield am Ohr geknabbert hatte.

„Ich kann nich mehr“, stöhnt Rüdiger, „ich kann nich mehr. Schlepp du auch ma was!“ Rosemarie ist entrüstet. „Ich bin doch eine Frau“, sagt sie leicht säuerlich, „ich kann nich so viel schleppen. Ich kann kochen. Und putzen kann ich auch. Ich koch dir gleich was Leckeres zur Belohnung.“

Ein Bücherpaket hatte ihr Mann die vielen Treppenstufen auch noch hochhieven müssen, das die Literaturredaktion des MDR-Fernsehens zusammengestellt hatte – auch viele Kilogramm und bei Weitem nicht zu verachten. Rüdiger hat Rückenschmerzen, sein Kreuz tut ihm weh, seine Füße bollern nur so in den Schuhen. Rosie ist ein Konsummonster, sie muss alles haben. Wirklich alles!

Die Doppel-CD „30 Jahre Lustige Musikanten“. Eine Jacke und ein Baseballcap mit „exakt“-Aufdruck – passend zur gleichnamigen Sendung. Ein Räuchermännchen.

Der Fernsehsender des Mitteldeutschen Rundfunks hatte eine brilliante Idee. Versteigern wir doch einfach ein paar Sachen, die keiner mehr braucht und spenden das Geld den Flutopfern. Gesagt, getan – und Versteigern ist dank Ebay im Moment sowieso ganz hip. Und die Leute kaufen, kaufen, kaufen!

Fiedler André Rieu und Quäkquaddel Montserrat Caballé konnte Ehefrau Rosemarie leider nicht ersteigern – weder als Pappfigur, noch als unnützen Krempel, der unbeachtet in den Gebäuden des MDR herumstand. Die beiden geben am Donnerstag ein Konzert im ZDF, moderiert von Pappkameradin Andrea Kiewel.

„Das wird richtig schön“, sagt Rosemarie zu ihrem Mann, „das gucken wir uns an.“ Rüdiger sagt gar nichts mehr. Seine kaputtgelaufenen Füße hat er in eine Schüssel mit heißem Wasser gestellt, seinen schmerzenden Rücken ruht er in seinem gemütlichen, aber stark abgenutzten Fernsehsessel aus. Gar nichts sagt er jetzt mehr, überhaupt nichts. Und wütend ist er noch immer, und das wird er auch mindestens eine Woche bleiben.

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19.8.02
Urlaub in Afghanistan
("Ey Aktuell!" - Die aktuelle Nachricht. Immer wieder neu.)

Der deutschsprachige Nachrichtenbereich von «Yahoo» hat sich, wie alle anderen Medien auch, mit der Flut beschäftigt. Ganz so, wie viele andere auch, haben sie eine Chronologie der ersten Woche zusammengestellt.

«Mit ungewöhnlich heftigen Regenfällen in weiten Teilen Europas hatte sich die Jahrhundertflut bereits im Juli angekündigt» - so fängt der Artikel an, alles ganz normal. Die Sache hat nur einen kleinen Makel: Daneben ist eine etwas unpassende Eigenwerbung des Internetkatalogs platziert.

Weiter im Text: «Montag, 12. August: In Sachsen spitzt sich die Hochwasser-Lage gefährlich zu. Im Erzgebirge und in Dresden wird Katastrophenalarm ausgelöst.» Daneben: Zwei Bikinibräute und ein Muskelmann, die in einem vergleichsweise ruhigen Gewässer (Swimmingpool) planschen und vollends vergnügt scheinen.

"Mittwoch, 14. August: In Bayern wird Regensburg von einer riesigen Flutwelle erfasst. Zehntausende Menschen kämpfen in Dresden verzweifelt gegen die Überschwemmungen. Wohnhäuser und mehrere Krankenhäuser werden evakuiert. Die Zahl der Toten im Freistaat steigt auf acht."

Die plitscheplatschigen Models werben für den Yahoo-eigenen Reiseführer, für Urlaubsgrüße, die man versenden kann und Lastminute-Reisen - bloß weg von hier! Und ab ins nass-feuchte Glück.

«Samstag, 17. August: In Dresden gibt es den ersten Lichtblick». Genau. Da ist es, das Anzeigenmotto. Passt doch: Die Überschrift «Alles rund um Sonne» prangert über den bildhübschen Bademodels. Und in Deutschland ziehen dunkle Wolken vorbei - Zeit für einen kleinen Supersommersonne-Badeurlaub, beispielsweise in Afghanistan. Unter anderem steht die Eigenanzeige nämlich auch in dem Artikel «Untersuchung über mutmaßliche Massaker in Afghanistan gefordert».

Und jetzt zu etwas vollkommen Anderem: «Yahoo» verlinkt neben dem Artikel über die Flut zu weiteren Themen - «Skurriles und Kurioses - Meldungen zum Schmunzeln».

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18.8.02
Tico Tico und der tiefere Sinn des Schallplattenrauschens
("Ey Berlin!" - Das SuperSommerSpecial. Acht Wochen aus der Hauptstadt. Nur solange der Vorrat reicht.)

Neulich bei Souterby’s - ein sündhaft teurer Nachttopf von Annodazumal wird versteigert.

Piekfeine Herrschaften in Fracks und mit Fliege, gegebenenfalls auch Krawatte, sitzen auf ihren Stühlen und geben Gebote ab, indem sie die Schildchen mit ihren lederhandschuhgeschützten Händchen in die Höhe halten. Ihre mit Perlen, Juwelen und diversem anderen Glitzerzeugs beschmückten Gattinnen begleiten sie dabei.

Der Auktionator klopft mit seinem Auktionshammer auf den Tisch. „Zum Ersten“, sagt er verschwörerisch, „zum Zweiten“ – niemand hat mehr vor, das eh schon hohe Gebot toppen zu wollen – „und zum Dritten. Der Pisspott geht an den Herrn mit dem Pickel auf der Nase.“

Nicht nur die gehobenere Gesellschaft ersteigert sich unnützen Krempel für ihre glänzend-goldigen Prunkvillen, auch das Volk von Welt will bei irgend etwas mitbieten und nicht immer nur bei Ebay auf die Computertastatur klopfen – da ist der Reiz nämlich schon lange verflogen.

Es ist Freitag Abend, und die „Z-Bar“ in Berlin Mitte wartet auf Gäste. Noch ist die Kneipe relativ leer, doch das wird sich, je später die Nacht wird, ändern. Der Schauplatz: Das Kinozimmer der Kneipe. Plüschig-rote Vorhänge hängen an den Wänden, und die Kinosessel sind zwar aus Holz, doch man kann es trotzdem auf ihnen aushalten. Die paar Menschen, die jetzt schon auf den Höhepunkt des Tages, vielleicht sogar des gesamten Jahres, warten, tragen größtenteils Hawaiihemden. Keine Fracks. Keine lederhandschuhgeschützten Hände. Kein teures Glitzerzeug. Und auch das Bier ist preiswert.

Die Stars des Abends sind der Moderator (rotes Cap, violettes Hawaiihemd) und der Discjockey (mit Sideshow-Bob-Perücke und rot-buntem Hawaiihemd). „Du bestimmst den Preis“ – der Name der Veranstaltung ist Programm. Das Ersteigern konnte beginnen.

Und auch wenn man kein Geld ausgeben wollte: An diesem Abend konnte man eine Menge über die Musik der sechziger, siebziger und achtziger Jahre lernen. Zunächst versorgte einen der fachkundige Moderator mit Informationen über die angebotenen Schallplatten, projizierte die Cover an die Kinoleinwand. Dann spielte der DJ einen der Titel an, der sich auf der Langspielplatte befand, meist Easy Listening, aber auch Jazz, Rock und Synthiepop. Alles bunt gemischt. Kein Schrott! Und wenn die Platte doch einmal einen Kratzer oder eine Delle haben sollte, verschwieg auch das der Moderator nicht. Fair geht nun einmal vor.

„Ich spiele jetzt den Titel ‚La cucaracha’ an – eine Pressung aus den Sechzigern." Eine kurze Pause, ein Blick auf die Schallplatte. "Wie ist der Zustand der Scheibe?“, fragte er in Richtung Plattenspieler. „Gut?“ - der DJ nickt. Dann ist ja wirklich alles gut.

Ein weiteres Highlight: Der Soundtrack zu „Point Break“, einem Surferfilm von 1991. „Patrick Swayze ist scheiße“, lässt es sich der Auktionator nicht nehmen, zu kommentieren, „aber der Film ist gut.“

Zunächst scheint das Publikum noch etwas verschüchtert, die Schallplatten gehen meist zum Startgebot von einem Euro weg. „Die machen uns arm heute“, sagt der Moderator, „wir hören gleich auf.“ Vielleicht ein kleines Quiz zwischendurch, wird er sich gedacht haben - zur Auflockerung. Und wieder Patrick Swayze! Die Quizfrage: Wie heißt der Science-Fiction-Film des Schauspielers, der weit nach seinem Erfolg mit „Dirty Dancing“ in die Kinos kam, als er „alles spielen musste“? Na? Irgendwelche Vorschläge? Niemand weiß es, niemand meldet sich, niemand gewinnt etwas. Dabei hatte der Moderator doch schon den ersten Teil des Titels verraten: „Mit ‚Dirty’ fängt’s an“, hatte er gesagt, doch geholfen hat es nicht.

Ein paar Plattenverkäufe später folgt ein weiteres, zur Platte passendes Quiz. „Wie ist der Spitzname von Tom Jones?“, will er diesmal wissen. Und wer weiß es? Wer kann diese schwierige Frage beantworten? Meine Freundin jedenfalls wusste es. Gewonnen hat sie die Schallplatte „Discomotion – Super Disco´79", inklusive dem grandiosen „You´re the greatest Lover“, wer kennt das Lied nicht.

Ich bin unglaublich stolz auf meine Freundin. Und dass sie manchmal merkwürdige Dinge weiß, wundert mich auch nicht mehr – zumindest nicht an diesem sowieso schon recht seltsamen Abend.

Um die Tom-Jones-Schallplatte entwickelt sich ein harter Konkurrenzkampf. Unter den etwa vierzig Auktionswütigen scheinen sich regelrechte Fans von ihm zu befinden. Zwei Männer und eine Frau wollen ihre Nachbarschaft unbedingt mit dem schwarzen Schmuseschnulzer malträtieren.

„Zwei Euro sind geboten, zwei Euro“, peitscht der moderierende Hawaiihemdträger ein, „bietet jemand Zweifünfzig?“ Klar, natürlich, Tom Jones ist nun einmal begehrt. Für die drei Interessenten ist das ein Klacks, und vor allen Dingen die Frau will das Gesinge von ihm haben – von ihrem Tommy Boy.

Schlussendlich hat die Platte für 6,50 Euro ihren Besitzer gewechselt – der Mann kann sich freuen, der das gute Stück nun hegen und pflegen darf. Und die Platte bloß immer schön abstauben! Und ja keine Kratzer reinmachen! Hegen und pflegen soll er sie, jawohl. Ein lautes „Fuck“ fegt durch den Kinosaal, die Frau ärgert sich hörbar, dass nicht sie das begehrte Stück bekommen hat. Im Übrigen ist Tom Jones´ Spitzname „Tiger“, und die Antwort auf die erste Frage hätte, wie merkwürdig, ebenfalls so gelautet – der Swayze-Science-Fiction-Film heißt nun einmal „Dirty Tiger“.

Wegen „Dirty Harry“, dem Late-Night-Teufel, habe ich mir eine Schallplatte ersteigern müssen, es ging nun einmal nicht anders. Harald Schmidt hatte den Musiker, Komponisten und Bandleader Hellmut Zerlett immer wieder den Samba „Tico Tico“ spielen lassen – und jetzt bin ich stolzer Besitzer der Hammondorgelversion von Klaus Wunderlich. Zum Glück habe ich sie für das Startgebot bekommen können.

Ebenfalls für einen Euro habe ich „Sounds like the Bee Gees“ ersteigert – ich frage mich noch immer, weshalb niemand anders diese Platte haben wollte. Und „The Neon Nights“ klingen darauf wirklich wie die "Bee Gees", wahrscheinlich sind sie es in Wirklichkeit sogar. Ebenfalls uninteressant schienen meine Konkurrenten die Single „Pretty Clothes“ gefunden zu haben, eine Werbesingle von „C&A“, wahrscheinlich aus den Siebziger Jahren. Dabei lag das Startgebot für Singles doch bei winzigen 50 Cent! Unvorstellbar.

Etwas tiefer in die Tasche musste ich für den Soundtrack von „Der Clou“ greifen – zwei Euro fünfzig! Aber allein das Coverbild war es wert.

Nach jeweils fünfzehn Plattenverkäufen wurde die Auktion unterbrochen, dann zeigten die Veranstalter kleine, passende Filme auf der Kinoleinwand.

Den Trailer zum Film „Flash Gordon“, um die potentiellen Käufer heißzumachen – denn schließlich sollte der Soundtrack von Queen noch im Laufe des Abends verkauft werden. Einen Singsang von irgendeiner wahrscheinlich längst verstorbenen Fiepsstimmenfrau. Und den pompösen Auftritt einer französischen Sängerin, um die tanzende Tunten turtelten.

Ein guter Augenblick, um aufs Klo zu gehen, das ebenfalls sehens-, hörens-, aber leider nicht riechenswert ist. Über Lautsprecher trällern den Pinkelnden Vögel zu, und kleine, symbolisierte Penisse zieren die Tapete in Blickhöhe - von der einen Seite des Raumes zur anderen.

In fünf, sechs Wochen wird es noch einmal „Du bestimmst den Preis“ in der „Z-Bar“ geben, so zumindest der Moderator. Leider fiel mir erst am nächsten Morgen ein, dass ich überhaupt keinen funktionstüchtigen Schallplattenspieler besitze. Schade eigentlich, aber vielleicht können mir meine Eltern ja einen ausleihen. Irgendwie komme ich schon noch in den Genuss meiner ersteigerten Klangoasen.

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16.8.02
Ein feucht-fröhlicher Fernsehabend
("Ey Glotze!" - Die Medienkolumne. Diesmal leider leicht verwässert.)

Rüdiger und Rosemarie sitzen in ihrem Wohnzimmer. "Heute gibt´s ´n Benefizabend im Ersten", sagt die angegraute Frau zu ihrem angegrauten Mann.

"Und am Sonntag macht Sat.1 auch so ´ne Sendung. Wegen der Flut. Is´ schon schlimm, die Flut, ja, ja, schlimm is´das." Das Wohnzimmer des Ehepaars ist ebenfalls stark angegraut.

Und nicht nur das: Auch die Liebe der beiden scheint angegraut zu sein. Und wenn es doch einmal romantisch werden sollte, nennt Rosemarie ihren Gatten ganz gerne einmal Rüdi - doch das kommt relativ selten vor. Und Rüdiger nennt seine Frau hin und wieder Drecksbraten, was zu ihrem Leidwesen relativ häufig vorkommt.

Und vielleicht spielt sich heute wirklich solch eine Szenarie in diversen deutschen Wohnzimmern ab, sofern diese nicht unter Wasser stehen und der schöne Perserteppich ruiniert sein sollte. Denn Sat.1 und ARD lassen die Puppen, oder besser die Stars, tanzen. Da steppt der Bär, da gröhlen die Puhdys, da schmalzt Ulrich Meyer. Und schaue sich einer das Staraufgebot an! Natalia Wörner, Claudia Schmutzler und Nina Kronjäger haben Sat.1 spontan zugesagt, bei der lustigen Benefizgala aufzutreten - wer kennt sie nicht, diese Elite der deutschen Schauspielstars.

Und auch Jeannette Biedermann jodelt sich die Luft aus dem Bauch und wird im Applaus des Publikums schwimmen. Barbara Salesch und Alexander Hold werden den Wettergott auf lebenslänglich verklagen, Verbrechen lohnt sich nun einmal nicht, elendiger Verbrecher, damit das klar ist.

Oliver Welke wird die Gala moderieren, leider nicht mit seinem Kumpel, dem Katastrophenkritiker Kalkofe, sondern mit der Klatschtante Vera Int-Veen.

Auch die ARD lässt sich heute Abend nicht lumpen, die Verantwortlichen haben Udo Lindenberg direkt aus seiner Drogenhölle auf die Bühne gezerrt, und die Kelly Family wird wieder einmal um eine Kleiderspende bitten. "Ein Laufband während der Sendung wird über die Spendeneingänge sowie über Zwischenstände informieren", berichtet die Nachrichtenagentur ddp. Man darf gespannt sein, wie viele Kleidungsstücke die Kellys diesmal einsacken werden.

"Du bist dran", kotzt der bierbäuchige Rüdiger aus sich heraus. Rosemarie würfelt, zieht ihre Spielfigur – und fünf Minuten später hat sie verloren. "Malefiz macht Spaß", freut sich ihr Ehemann. "Ist viel besser als Benefiz. Sollten wir öfter mal spielen. Is´viel besser als das blöde Fernsehen. Bringen sowieso alle nur Scheiße."

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15.8.02
Kuscheltiere küsst man nicht
("Ey Aktuell!" - Die aktuelle Nachricht. Immer wieder neu.)

Manche Filme möchte man doch nun wirklich nicht mehr sehen. Diese schrecklich-scheußlichen Copfilme, in denen zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinanderprallen, aber, wie der Drehbuchschreiberling nun einmal so will, Partner werden. Oder diese nervigen Teenyhorrorfilme á la "Scream", in denen barbusige Blondinen brüllen und roter Tomatenketchup über die Leinwand tropft.

Im Übrigen gibt es Kechup jetzt sogar in grüner Farbe - ob das Auswirkungen auf das Horrorfilmgenre haben wird?

Doch ach! Dieses Filmposter macht neugierig. Korpulierende Kuscheltiere! Da macht es der Kuschelhase der Kuschelhäsin von hinten, und auch Stoffhunde hecheln vor Glück und gehen ihren Trieben nach. Da sitzt der rote Teddy auf dem blauen Bären und stöhnt vor Erregung, und Glücksschweinchen haben den wohl besten Sex, den ein Kuscheltier jemals gehabt hat. Eine Welt voller plüschigen Glücks!

Der Name des Films: "The Rules of Attraction”, nach einem Roman von Bret Easton Ellis, dem Autor von "American Psycho“.

Hier gibt es das Plakat in voller Größe, da finden sich mehr Informationen zum Film, und dort geht es zur offiziellen Website. Und eigentlich kann das neonbunte Plüschtierposter überhaupt nicht zum Film gehören, nie und nimmer - der ist dafür doch bestimmt zu düster und verstörend.

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14.8.02
Witt / Heppner - Die Flut
("Ohrwurmrauschen!" - Liedtexte für die gewissen Momente im Leben)

Wenn ich in mir keine Ruhe fühl', Bitterkeit mein dunkles Herz umspült
Ich warte auf den nächsten Tag, der mir erwacht
Wenn Finsternis den klaren Blick verhüllt, kein Sinn mehr eine Sehnsucht stillt
Ruf' ich mir herbei den einen Traum, der sich niemals erfüllt

Und du rufst in die Nacht, und du flehst um Wundermacht
Um 'ne bessere Welt zum Leben, doch es wird keine andere geben

Wann kommt die Flut über mich
Wann kommt die Flut, die mich berührt
Wann kommt die Flut, die mich mit fortnimmt
In ein anderes großes Leben - irgendwo


All' die Zeit so schnell vorüberzieht, jede Spur von mir wie Staub zerfliegt
Endlos weit getrieben, von unsichtbarer Hand
Gibt es dort am kalten Firmament nicht auch den Stern, der nur für mich verbrennt
Ein dumpfes Leuchten, wie ein Feuer in der Nacht, das nie vergeht

Und Du siehst zum Himmel auf, fluchst auf den sturen Zeitenlauf
Machst Dir 'ne Welt aus Trug und Schein, doch es wird keine andere sein

Wann kommt die Flut über mich
Wann kommt die Flut, die mich berührt
Wann kommt die Flut, die mich mit fortnimmt
In ein anderes großes Leben - irgendwo


Und Du rufst in die Welt, dass sie dir nicht mehr gefällt
Du willst 'ne schönere erleben, doch es wird keine andere geben

Wann kommt die Flut über mich
Wann kommt die Flut, die mich berührt
Wann kommt die Flut, die mich mit fortnimmt
In ein anderes großes Leben - irgendwo

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8.8.02
Mel Gibson ist "Jesus Christus Superstar"
("Ey Aktuell!" - Die aktuelle Nachricht. Immer wieder neu.)

Für manche Menschen mag Mel Gibson der Messias in Menschengestalt sein. Der beliebte Schauspieler kommt dieser Bestimmung zumindest immer näher - er hat vor, Jesus Christus zu spielen, den Heiland, er sitzt zur Rechten Gottes.

Ob sich der bekennende Katholik Gibson jetzt auch einen schicken Vollbart wachsen lässt, genauso wie Brad Pitt? Ein richtig schönes Jesusbärtchen? In Süditalien hat er sich jedenfalls schon einmal nach geeigneten Schauplätzen umgesehen, die er in seinem christlichen Streifen unterbringen könnte.

Und unglaublich! Nach den Anschlägen in Amerika hatte unser aller Mel geschworen, niemals wieder Action-Filme zu drehen. Aber vielleicht wird der Jesusfilm ja doch noch ein richtig schöner Prügelstreifen, ganz so wie die Haudrauffilme von Bud Spencer. Der voraussichtliche Name des biblischen Epos ist "Passion".

Vielleicht rauft sich der rebellische Mel Gibson dann ja auch mit den randalierenden Römern. Prügelt mit Kruzifixen auf sie ein. Engagiert sich eine Gang ("Die Jünger") und kämpft mit ihnen gegen all das Unrecht auf dieser Welt. Rettet die Erde vor einem atomaren Angriff kleiner, grüner Marsmännchen oder vor einem alles beherrschenden Drogenimperium. Meine Phantasie brennt jetzt wohl doch ein wenig mit mir durch, aber über solch einen Hollywoodfilm würde ich mich höllisch freuen.

Doch eines Tages! Eines Tages wird Mel Gibson wohl wirklich zur Rechten Gottes sitzen. Geheiligt werde sein Name! Sein Wille geschehe.

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