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30.6.03
Vinsekt Vega versus Inge Ameisel
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)


Menschen hassen sich. Tiere hassen sich. Und überhaupt hassen sich doch alle Lebewesen, wenn man es genauer betrachtet.

Diese, unsere Welt ist eine ganz, ganz schlimme Welt voller Hass. Und am schönsten hassen sich Ameisen - wer hätte das gedacht.

"The Ant Area" ist ein Onlinespiel, das sowohl süchtig als auch aggressiv machen kann. Und wie ich sie hasse, diese widerwärtigen Insekten! Fressen und gefressen werden, so ist das nun einmal. Und nur der Stärkste gewinnt. Und wie sieht es eigentlich mit Selbsthass bei Ameisen aus? Oder ist dazu wieder einmal nur der Mensch fähig?

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Unser Kühlschrank macht komische Geräusche. Ich werde deswegen jedoch nicht anfangen, mit ihm zu reden, und von der Firma Bosch ist er auch nicht. Ich müsste ihn lediglich mal abtauen - aber bei dieser Hitze? Was würde dann aus den verderblichen Lebensmitteln? Und wie schön es doch wäre, wenn dieses Problem mein einziges sein würde.

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29.6.03


4.6.03
Mann im Mund
("Ey Welt!" - Die Kolumne. Jetzt neu mit Schweißflecken unter den Achseln.)

Mein Zahnarzt mag mich. Oder meine Zähne. Oder sowohl meinen Mundinnenbereich als auch alles andere an mir.

Eigentlich ist es ja auch vollkommen egal, weshalb er demnächst so viel Zeit mit mir verbringen will - trotzdem mache ich mir meine Gedanken darüber, denn ich würde schon ganz gerne wissen, was in solch einem Zahnarztgehirn vor sich geht.

Ich liege also auf diesem widerwärtigen Behandlungsstuhl in dieser widerwärtigen Zahnarztpraxis, und die Betäubung, die der Doktor seinem lieben Vieh, also mir, vor ein paar Minuten in den Kiefer gerammt hat, zieht langsam meine Lippe hoch, krabbelt in meinen linken Nasenflügel, und ich fühle mich, als wenn mir jemand einen spitzen Stock von meinem Mund aus direkt durch die Lippe in die Nase geschossen hätte.

Mein mich verehrender Zahnarzt setzt die Behandlung fort, und ich schließe die Augen. Ich möchte auch überhaupt nicht sehen, wie er sich über mich gebeugt an meinen Zähnen zu schaffen macht. Wie er bohrt. Schleift. Den Belag von meinen Zähnen bohnert, damit alles in neuem Glanze funkelt und glitzert.

"Jetzt den Mund bitte nicht schließen", sagt er - und mirnichtsdirnichts ist der Zahnarzt verschwunden. Ich liege also auf diesem widerwärtigen Behandlungsstuhl, und ich bin mit seiner Assistentin allein in diesem noch widerwärtigeren Behandlungsraum.

Ich halte meinen Mund schon seit knapp einer Viertelstunde geöffnet, wenn nicht sogar noch länger. Langsam merke ich, wie er sich langsam schließen will, wie die Muskulatur immer schwächer und schlapper wird. Die Assistentin des Zahnarztes schlürft mit einem Sauger die Spucke aus meinem Mund, die sich dort immer wieder ansammelt. Auf den Rechnungen wird diese Leistung jedes Mal unter dem Stichwort "Starker Speichelfluss" abgerechnet - und immer, wenn ich das lese, fühle ich mich ein ganz klein wenig beleidigt.

Starker Speichelfluss? Bei mir? Da muss ein Irrtum vorliegen.

Und was für Schnarch- und Blubbergeräusche dieser Schleimsauger beim Spuckeentfernen fabriziert! Zumindest denke ich in diesem Moment, dass dieses orale Werkzeug Urheber der herumschwirrenden Sauggeräusche sein wird - aber ich irre mich gewaltig.

Ich kann meinen Mund kaum noch aufhalten, mein gesamter Kiefer schmerzt höllisch. "Bitte jetzt nicht den Mund schließen", ermahnt mich die Zahnarztassistentin energisch, "es geht um Leben und Tod."

Um Leben und Tod? Ich erschrecke! Und ist es mein Leben, wird es mein Tod sein, um den es sich hier dreht? Ich spüre, wie sich das Blut aus meinem Gesicht zurückzieht und wie ich vor Angst erblasse.

"Warum wird es hier auf einmal so kalt?", höre ich es zwischen meine Backen hallen. "Es war doch eben gerade noch so subtropisch feucht-warm hier." Der Zahnarzt! In meiner Mundhöhle! Hat auf meiner Zunge ein Handtuch ausgebreitet, um es sich dort gemütlich zu machen! Und beschwert sich, dass sich mein Blut aus dem Gesicht zurückgezogen hat und es deswegen so kalt geworden ist! Dabei müsste er doch eigentlich arbeiten.

Der Urlaubsatmosphäre wegen hat mein Zahnarzt einen Sonnenschirm aufgespannt und ihn an meinem linken Nasenflügel, meiner Lippe und der Nase befestigt.

In Krisenzeiten wie diesen, in denen der Rubel selbst bei Zahnärzten nicht mehr so zu rollen scheint und in denen das wohlige Wirtschaftswunder ausbleibt, muss man nach anderen Möglichkeiten suchen, um sich zu erholen, ganz so, wie sich mein Zahnarzt sein kostengünstiges Urlaubsparadies
geschaffen hat.

Und die Saug-, Schlürf-, Schnarch- und Blubbergeräusche kommen größtenteils auch gar nicht von dem Sauger, der meinen angeblich so starken Speichelfluss
einsaugen soll - dieser Sauger ist nämlich einer von diesen lautlosen, neumodischen, ungemein teuren, aber dafür ultramodernen Dingern.

Der Zahnarzt schnarcht im Schlaf! Und wenn er wach ist, schlürft er einen Cocktail mit einem länglichen Strohhalm in sich hinein. Und was da so blubbert, ist in Wirklichkeit ein wohltuendes Whirlpoolsabberbad in dem Speichelsee links neben meiner Zunge - der Whirlpooleffekt wird mit Hilfe des modernen Zahnarztequipments fabriziert, das angeblich meinen Speichel beseitigen soll, stattdessen aber dafür gedacht ist, den Sabberfluss zum Blubbern und Schäumen zu bringen, damit es so richtig gemütlich und entspannend in diesem wohltemperierten Bad wird.

Kurz, bevor ich davor bin, meinen Mund mit einem lauten Knall zu schließen und mich eines Mordes schuldig zu machen, steht der Zahnarzt wieder neben mir. "Das war wieder einmal sehr erholsam", lächelt er mir entgegen, "hätten Sie nächste Woche vielleicht noch einmal Zeit? Ihr Mund ist einer der schönsten, den ich kenne. Und glauben Sie mir", lobt er mich, "ich sehe jeden Tag sehr viele Münder, aber Ihrer ist in der Tat einer der wundervollsten."

Und dann sagt er mir, dass ich nächste Woche etwas mehr Zeit mitbringen sollte - etwa vierzehn Tage nämlich.

Er würde gerne mit seiner Frau, seinen drei Söhnen und seiner Tochter einen längeren Urlaub genießen, und er hätte sich überlegt, dass mein Mund genau das richtige Ziel für diesen Familientrip wäre. Und außerdem, so schwärmt er, wäre es billiger als wenn er mit seiner Großfamilie per Pauschaltouristenbilligtarif verreisen würde. Und schöner sei es außerdem.

"Nein", schreie ich erzürnt auf. "Ich habe keine Zeit. Nicht nächste Woche, nicht übernächste, und auch im nächsten Monat habe ich keine Termine mehr frei. Da hätten Sie schon früher buchen müssen."

Und dann verlasse ich fluchtartig die Zahnarztpraxis. In meinem linken Nasenflügel, meiner Lippe und meinem Mund spüre ich noch ganz deutlich die Stange des Sonnenschirms, den mein Zahnarzt dort zu seinem Leidwesen vergessen hat. Er wird den Verlust verschmerzen können - aber dass sein Lieblingsurlaubsort von nun an unerreichbar für ihn ist, wird wahrscheinlich schon einen herben Verlust für ihn darstellen. Soll er doch nach Mallorca fliegen, denke ich mir. Dafür wird sein Geldbeutel schon noch dick genug sein.

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3.6.03
Überall Harald Schmidt! Und bald also auch montags. Doch weshalb das alles? "Ich bin montags immer rumgeschlichen wie der Tiger im Käfig", zitiert ihn die taz. "Da staut sich so viel auf, das spürt dann auch die Lebensgefährtin, das spüren die Kinder - und irgendwann hast du sie alle geschlagen."

Und in der Welt nutzt Mariam Lau, Autorin "einer kürzlich erschienenen, ebenso exzellenten wie unautorisierten Biografie Harald Schmidts" die Gelegenheit, ihr Ego zu streicheln. Bisschen selbstverliebt, finden Sie nicht, Frau Lau?

Und so füllt die "ebenso intelligente wie gut aussehende Berliner Journalistin" die Zeilen ihres Artikels mit Lobeshymnen auf sich selbst: "In einer kürzlich erschienenen, ebenso exzellenten wie unautorisierten Biografie Harald Schmidts wirft eine ebenso intelligente wie gut aussehende Berliner Journalistin Schmidt ... dies vor: 'Bei Schmidt treten plötzlich Schwächen zutage, die in den sieben fetten Jahren, als das Witzeln noch gegen die Gutmenschenkultur geholfen hat, gnädig verborgen geblieben waren.'" Ja, man kann sich nun wirklich nicht oft genug selbst loben. Exzellent! Intelligent! Gut aussehend! Und schon ist das Selbstwertgefühl aufgewertet, und man ist wieder wer.

Ebenso berichtet die Süddeutsche Zeitung von der Pressekonferenz, auf der Harald Schmidt die "Ausweitung der Kampfzone" verkündete. Außerdem lassen es sich die Berliner Zeitung, der Tagesspiegel, SPIEGEL ONLINE und die Netzeitung nicht nehmen, über die Neuigkeiten der Über-Late-Show zu berichten.

Und so weiter und so fort. Und überall Harald Schmidt. Und bald also auch montags - hat man denn keine Ruhe mehr vor ihm?

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1.6.03