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25.10.03
Schmutz, Lügen und Fernsehstars
("Ey Click!" - Der unregelmäßige Surftipp. Unerwartet neu.)

Eines meiner vielen Probleme ist, dass ich mir kaum Namen merken kann. Wie hieß noch gleich unser aller Bundeskanzler? Eigentlich hat der doch einen leicht zu merkenden Allerweltsnamen - heißt er Müller? Meier? Schmidt? Gerd Schmidt vielleicht? Und nach fünfminütigem Grübeln und Sich-über-mich-selbst-Ärgern komme ich dann doch noch drauf.

Und wer bitteschön ist jetzt Gouverneur von Kalifornien? Kaum ist der werte Herr ein, zwei Wochen aus dem Rampenlicht gerückt, vergesse ich doch glatt den Namen dieses eigentlich doch recht bekannten Schauspielers. Zum Glück hilft mir die Website "Am I Governor or not?". Dort stimmen vermeintliche Politikexperten darüber ab, wer Supersommersonnenkönig des Supersommersonnenstaates sein könnte.

Derzeitiger erster Platz: Wil Wheaton. Natürlich! Wil Wheaton regiert Kalifornien, wer sonst sollte es sein? Dass heutzutage pickelige Hackfressen aus einst kultigen Science-Fiction-Serien solche politische Macht in die Hände gelegt bekommen - war ja klar. Homer Simpson hat es auf den sechsten Platz geschafft, Roboter R2D2 rollte lediglich auf Position Zehn, gefolgt von Bernd, dem Brot. Auf den vierzehnten Platz schlief sich eine Gummipuppe hoch - so funktioniert das halt in der Politik.

Denn wie war noch gleich die landläufige Meinung? Politik ist ein schmutziges Geschäft, jawohl, ein schmutziges, widerwärtiges Geschäft ist das. Und die können doch eh nur reden, die Politiker. Und kürzen ständig unsere Sozialleistungen und erhöhen monatlich ihre eigenen Diäten. Ist doch wahr. Schmutzig, widerwärtig und absolut abartig ist das.

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8.10.03
Es war einmal ... in der Zukunft!
("Ey Aktuell!" - Aktuelle Nachrichten. Mit freundlicher Unterstützung unserer Freunde von Californication GmbH und Co. KG.)

"Die Schwarzenegger-Bibliothek?" - "Ja, man hat die Verfassung geändert, und so konnte er Präsident werden." - "Friert mich wieder ein!"

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4.10.03
Keine Zeit? Ich auch nicht. Das gesamte Leben verwandelt sich im Moment zu einer Art Zeitfresser, und ich fühle mich an die grauen Herren aus Michael Endes "Momo" erinnert, die Sekunden, Minuten, Stunden und Tage stehlen. Wird Zeit, dass ich diesen Zeitfressern ganz gehörig was auf ihre Zeitfresse gebe, damit ich endlich einmal wieder Freizeit, richtig freie Zeit mit wirklich schöner, entspannender Langeweile, haben kann.

Bis dahin schaffe ich es leider nur, fremde Menschen zu zitieren - für mehr ist nun wirklich nicht drin. Leider. Hier beispielsweise Eckhart Nickel aus der "Süddeutschen Zeitung":

"Als ich letztes Jahr einen neuen Job antrat und sehr früh aufstehen musste, um vor der Arbeit noch schwimmen zu gehen, nutzte ich für die Zeit des Umziehens in meinem Appartement zusätzlich sogar das dessertfarbene Frühstücksfernsehen. Ein Schritt, den ich mir schnell wieder abgewöhnte, als das Elbe-Hochwasser vorüber war. Mit dem Pegelstand ging auch die extrem auf das Wetter fokussierte Berichterstattung merklich zurück, und sowieso geht es mir nicht gut, wenn um 6.30 Uhr schon Friedrich Merz live zugeschaltet wird. Das ist was für Menschen, die sowas nötig haben, und Menschen, die sowas nötig haben, zum Beispiel Friedrich Merz selbst, brauchen eigentlich Hilfe von anderer Seite."

Alles andere ist natürlich auch ganz, ganz großer Mist - Harald Martenstein zählt auf:

"München hat etwas Verkommenes. Die Biergärten riechen nach Verdauung und Gärprozessen. Die Volksfeste riechen nach Unflat. Die Münchner lügen, sobald sie den Mund auftun. Hochnäsigkeit, Hoffart, Geldgier, Geilheit und Tücke haben ihre Seelen zerfressen, Leberkäse hat ihre Körper zerstört. ... Es ist alles völlige Scheiße, Quark und Käse. Wenn ich an meine Altersversorgung denke, muss ich stundenlang schreien. Das tue ich auch, ich schreie stundenlang. Und die Gesundheitsreform? Die Gesundheitsreform ist überhaupt der allergrößte Mist. Die deutschen Fußballer können auch nichts. Es sind alles Idioten. Nein, Entschuldigung. Es sind Vollidioten.

Und die Opposition? Als die regiert haben, haben sie jahrzehntelang Gebirge von Käse, Mist, Schafscheiße und Dreck aufgetürmt. Die von der Opposition sollen endlich ihre hoch bezahlte Klappe halten. In meinen Augen sind das parfümierte Saftsäcke. Und die Grünen? Ach, hören Sie doch auf. Die Grünen sind so dumpf, dass man auch wieder kotzen müsste, wenn man nicht, aus anderen Gründen, sowieso schon stundenlang gekotzt hätte und dementsprechend erschöpft wäre.

Die Regierung ist betrunken. Immerzu. Sie saufen sich morgens die Hucke voll, mittags sind sie dann locker und riskieren eine Lippe. Die Rentenreform. Die Außenpolitik. Die Bundespräsidentenfrage. Irak. Ostalgie. Standortpolitik. Das Fernsehen. Kultur. Sport. Alles Scheiße."


Dazu ist eigentlich nichts weiter hinzuzufügen. Höchstens nur noch, dass ich es vielleicht einmal mit Gemütlichkeit versuchen sollte. Beppo, der Straßenkehrer aus "Momo", beschreibt es mit einem Beispiel aus seinem Arbeitsalltag:

"Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. ... Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, daß es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluß ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. ... Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muß nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. ... Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein."

Michael Ende, du hast mein Leben zerstört - und die Zeit hält alle Wunder.

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