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15.4.04
"DIE ENDDEPRESSION: In der Schule wurde angeblich für das Leben gelernt. Ein solcher Anschein läßt sich beim Studium nicht erzeugen. Die Krisen zuvor konnten überwunden werden, indem die Sinnfrage ausgeklammert wurde, mit dem Ziel weiterzumachen. Das funktioniert jetzt nicht mehr, da nun der Abschluß das Ziel ist. Als Grund, 'das jetzt endlich durchzuziehen', stellt sich der bisherige Weg dar. Sonst wäre der vergeblich gewesen. Weil das nicht sein kann, wird weitergemacht. Die aufgestaute Sinnfrage rächt sich nun in Form der tiefen Depression, der sich die Lebenseinstellung anpaßt. Akut wie nie wäre die Frage: Wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich? - Egal: ich bin, komme und gehe, das muß reichen. So geht die Enddepression nahtlos über in die Midlife-Crisis."

(vgl. Zeller, Bernd: 101 Gründe nicht zu studieren, Kiel 1999, S. 109)


Außerdem darf ich nicht vergessen, mir die neu erschienene Ausgabe von "Pardon" zu kaufen.

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"Lacuna Inc. - Bringing you the revolutionary painless non-surgical memory erasing process."

"Following the map created specifically for every patient, Dr. Mierzwiak and his team will begin to erase the targeted memory. The procedure works on a reverse timeline, which means it begins with the most recent memories and goes backwards in time. This approach is designed to target the emotional core that every memory builds on. By eradicating the core, Dr. Mierzwiak is able to make the entire memory dissolve. When the patient wakes up from the surgery, they remember nothing."

Ganz schön unheimlich, wenn man es nicht besser wüsste.

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11.4.04
Schon wahr, was die "Süddeutsche Zeitung" schreibt:

"Es wird zu viel von Eiern geredet in diesen Tagen."

Eier! Immer wieder Eier. Irgendwie, irgendwo und irgendwann vor kurzem auf Pro Sieben: Wie lassen sich Eier am Besten ostertauglich einfärben? Einmal kurz auf einen anderen Sender gezappt: Wie erkennt man, dass Eier nichts mehr taugen und widerlich schmecken würden? Noch einmal auf die Fernbedienung gedrückt, und es gibt, sagen wir beispielsweise, eine Kochsendung mit dem Thema: "Eier - und was machen daraus zaubern kann". Eieromelettes beispielsweise.

Mjamm! Eieromelettes.

Die "Süddeutsche Zeitung" wie gesagt ist genervt und bietet deshalb im aktuellen "Streiflicht" Kartoffeln "als Kontrastprogramm" an - leider nicht online, aber dafür für einen wunderbaren und wiedermals erhöhten Preis von nur einem Euro und siebzig Cent.

Einerseits also dieses Eier-Überangebot, an dem höchst wahrscheinlich nicht nur der Osterhase, sondern unter Umständen auch Oliver Kahn Schuld hat. Andererseits diese wunderbare Reportage über Überraschungseier im "Tagesspiegel":

"[Der Marketingdirektor Deutschland von Ferrero] glaubt, dass das Überraschungsei in Deutschland so ein Erfolg ist, weil sich in ihm zwei Nationalcharaktere vermählt haben: der italienische, spielerische, der das Ei erfand. Und der ordnende, gründliche, auf Vollständigkeit dringende deutsche, der es sammelt."

Entweder online lesen oder die schöne Reportage würdigen und die Zeitung kaufen - für einen Euro und fünfunddreißig Cent in Berlin oder außerhalb für einen Euro und fünfundsiebzig Cent. Oder hier das E-Paper für nur noch sechzig Cent freiklicken. Ausgeschrieben wirken diese Preise im Übrigen noch höher als sie ohnehin schon sind. Dafür überrascht die Printausgabe mit Computertomographieaufnahmen von Überraschungseiern.

Und wer nun wirklich genug von Eiern hat und wem auch die Frage, was denn nun zuerst da war (das Huhn, das Ei oder der Osterhase?) zu altbacken daherkommt, kann trotz alledem einem gelangweilten Burger-King-Hühnchen einen Besuch abstatten. Das kann auf Befehl sogar Eier legen und noch viele andere Dinge. Ei-genartig.

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7.4.04
King Kong, Kaffee, Kosmonauten
("Ey Welt!" - Die Kolumne. Ideal zur Steigerung der Arbeitsmoral.)

Vielleicht haben meine Eltern Schuld daran. Natürlich haben sie Schuld. Eltern haben doch immer Schuld – und zwar an allem.

Es muss einer dieser Siebziger-Jahre-Tage gewesen sein, an dem auf den drei Fernsehsendern und den zwei Feindsendern, die wir empfangen konnten, nur schreckliches Zeug lief. Schreckliche Siebziger-Jahre-Serien wahrscheinlich. Und schreckliche Siebziger-Jahre-Shows mit schrecklichen Siebziger-Jahre-Moderatoren in schrecklichem Siebziger-Jahre-Outfits.

Meine Eltern werden wohl unter anderem deshalb ins Kino geflohen sein, und meine Mutter hatte mich im wahrsten Sinne des Wortes mitgeschleppt. Von ihrer Gebärmutter aus hatte ich leider kaum Chancen, mich zu wehren. Vermutlich habe ich sie ein paar Mal getreten, werde gestrampelt und mich mehrfach um die eigene Achse gedreht haben - kurz gesagt: Meine Rebellion hatte Grenzen, aber wenigstens hatte ich erreicht, dass ich per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden musste. Zum Glück bekam ich später noch viele Gelegenheiten, unter besseren Bedingungen aufmucken und rebellieren zu können.

Im Kino lief als Neuauflage „2001 – Odyssee im Weltraum“ – und das ganze 139 Minuten lang, unter Umständen war es sogar die 156-minütige Version. Mit noch mehr Musik. Noch mehr Weltraum. Und noch mehr Technikschnickschnack.

Und dann war da dieser Monolith. Und die Affen.

Ich liebe Affen. Und Science Fiction. Und daran haben natürlich meine Eltern Schuld, weil sie mich an einem Siebziger-Jahre-Tag in einen Sechziger-Jahre-Science-Fiction-Film geschleppt haben.

Und dann ist da diese Kaffeemaschine, die wie dieser Monolith aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ aussieht. Ich liebte sie vom ersten Augenblick an.

Hätte sie mir nicht der Paketdienstmensch gebracht, sondern ein laut grunzender Affe in Paketdienstuniform, hätte ich mich sicherlich noch mehr darüber gefreut. „Vielen, vielen Dank“, hätte ich ihm tränengerührt entgegengehaucht und hätte ihm mehrere Stauden Bananen als Trinkgeld überreicht. „Das wäre doch wirklich nicht nötig gewesen“, hätte er laut gegrunzt und wäre dann mirnichtsdirnichts wieder aus meinem Leben verschwunden, vielleicht um seiner Lieblingsfreizeitbeschäftigung – der Besteigung des Empire State Buildings – nachzugehen.

Die Kaffeemaschine hätte knapp hundert Euro gekostet. Etwas viel, eigentlich. Aber weil Zeitungsverlage anscheinend genügend Geld für Neukunden übrig haben, die sich einen Altpapierberg ein Jahr lang ans Bein binden wollen, bekam ich dieses edle Teil quasi kostenlos. Ich hätte mir auch eine andere Prämie aussuchen können, aber weil ich neben Affen, Science Fiction und Zeitungen fast genauso gerne Kaffee mag, lag die Entscheidung natürlich nahe.

Wie die Affen in „2001 – Odyssee im Weltraum“ sprang ich um die Maschine herum, nachdem ich sie aus dem Karton ausgepackt hatte. Danach schmiss ich eine Kaffeetasse in die Luft, die sich vier, fünf Mal um die eigene Achse drehte. Und dann wurde auf eine Raumstation übergeblendet. Und dann fand ich mich in der Realität und einer Küche voller Kaffeetassenscherben wieder.

Die Kaffeemaschine protzt mit einem grün schimmernden Display, das die Uhrzeit anzeigt. Und erwähnte ich schon, dass ich schimmernde Displays ebenfalls liebe? Das Display meines Digitalreceivers schimmert auch grün. Mein Handy hat ein schimmerndes Farbdisplay, mein MP3-Player leider nur ein unscheinbares, monochromes.

Um es zusammenzufassen: Ich liebe technischen Schnickschnack. Ich liebe Affen. Ich liebe Science Fiction. Ich liebe meine Eltern. Ich liebe Zeitungen. Ich liebe Kaffee. Ich liebe meine Freundin. Und bis auf letzteres haben meine Eltern vollste Schuld daran.

Ist halt so - und das alles macht mich glücklich.

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