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12.6.06
Verbotsforderung für Fußball oder Weshalb Rauchen besser als jegliche Ballsportart ist
("Ey Welt!" - Die Kolumne ohne Ball.)

Im Übrigen mag ich Fußball überhaupt nicht, damit das zunächst einmal geklärt ist. Eine widerwärtige, schreckliche Sportart ist das – und wahrscheinlich hatte ich deshalb früher, als ich noch nicht rauchen durfte, so wenig Freunde. Wer als Junge kein Fußball spielt und sich nicht mal dafür interessiert und dabei mitreden kann, wer welches Tor gehalten hat, wer welche Flanke geschossen hat oder wer wasweißichwas mit dem Ball angestellt hat, der ist sozial eher ausgegrenzt.

Hauptsächlich hasse ich Fußball, weil mich eine unbeschreiblich große Ballphobie plagt: Ich habe Angst, von einem Ball dermaßen stark getroffen zu werden, dass es weh tut. Ich mag es nämlich nicht, wenn mir irgend etwas weh tut. Außerdem bin ich halber Hypochonder, was wohl leidenswerter Weise hinzu kommt. Deswegen interessiert mich die Fußballweltmeisterschaft auch überhaupt nicht, vielmehr stört sie mich. Immer nur Fußball. Immer und überall. Das nervt. Und woran muss ich dabei denken? An Vietnam! Die Soldaten, die im Vietnamkrieg mitgekämpft hatten, haben, so hört man es immer wieder, Flashbacks bekommen. Befinden sich auf einmal wieder auf dem Schlachtfeld. Bekommen Schweißausbrüche. Sind nicht mehr in dieser Welt, sondern zurück in Vietnam. Und so geht es mir mit Fußball. Fußball ruft Flashbacks bei mir hervor. Schlimme Flashbacks, welche mich zurück in die schlimme, schlimme Schulzeit zurückkatapultieren.

Es war eine ganz normale Schulsportschulstunde – bis auf dass der Lehrer die wunderbare Idee hatte, uns Schüler Fußball spielen zu lassen. Fußball! Meine Gedanken rasten: Verdammtnochmal weshalb ausgerechnet fußball warum nicht irgendetwas mit kleineren oder besser überhaupt keinen bällen?, rasten die Worte durch meinen Kopf, ohne dass ich sie irgendwie in ihrer Geschwindigkeit bremsen konnte. Und besonders in Ausnahmesituationen fehlen mir Interpunktion, logisches Denken und eine ausgetüftelte Taktik. So auch dieses Mal: Wo, dachte ich mir, würde ich am sichersten sein vor den vielen Bällen, die mich ganz, ganz oft treffen könnten, so dass es mir weh tun würde? Natürlich im Tor! Super Idee eigentlich. Denn: Ich vertraute meiner Mannschaft. Dachte, dass sie es zu verhindern wüsste, dass der Ball die Tornähe erreichen könnte. Nun ja. So kann man sich irren.

Früher hatte ich wenig Freunde, weil ich mich nicht für Fußball interessierte. Jetzt bin ich in einem Alter, in welchem ich rauchen darf und so meinen Freundeskreis erweitert habe. In der Raucherpause frönt man nun einmal einer ähnlich gemeinschaftlichen, zusammenschweißenden Tätigkeit – nämlich der des Rauchens. Rauchen ist auch nur halb so ungesund wie Fußballspielen mit all diesen Kreuzbandrissen, Schultereckgelenksprengungen und Schlüsselbeinbrüchen. Ich habe jetzt jedoch mit Rauchen aufgehört – denn auch meine Zeit ist begrenzt, und ich hatte damit einfach zu viele Freunde gewonnen, die viel zu viel Zeit gekostet hatten. Jetzt bin ich ein nichtrauchender, fußballhassender Misanthrop. Hach ja. Was bin ich glücklich.

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